Gesundheit

So viele haben Herzschäden nach Covid-Infektion

Ausgelöst durch die Coronainfektion sammeln sich in den millimeterdünnen Herzgefäßen kleinste Verstopfungen an.

Sabine Primes
20-30 Prozent der hospitalisierten Covid-Patienten zeigen Herz-Beeinträchtigungen wie Herzmuskelentzündung oder Probleme bei der Pumpfunktion.
20-30 Prozent der hospitalisierten Covid-Patienten zeigen Herz-Beeinträchtigungen wie Herzmuskelentzündung oder Probleme bei der Pumpfunktion.
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Eine Infektion mit SARS-CoV-2 betrifft in erster Linie das Atmungssystem – kann sich auch zu einer Multiorganerkrankung entwickeln ("Long Covid"). Unter den zahlreichen Symptomen, die mit COVID-19 in Verbindung gebracht werden, zeigen 20-30 Prozent der hospitalisierten Patienten Herz-Beeinträchtigungen wie Herzmuskelentzündung oder Probleme bei der Pumpfunktion.

Während die krankhaften Auswirkungen von COVID-19 in den Lungen weitgehend enträtselt wurde, sind jene des Herzens bei COVID-19 weitgehend unbekannt. Ein Forschungsteam um Professor Dr. Danny Jonigk, Christopher Werlein und Privatdozent Dr. Mark Kühnel vom Institut für Pathologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat jetzt mit Hilfe innovativer molekularer Verfahren und eines hochauflösenden Mikroskopieverfahrens gezeigt, wie die andauernde Entzündung bei COVID-19 das Herzgewebe angreift und langfristig die kleinsten Herzkranzgefäße umbaut, indem spezielle Vorläuferzellen des Immunsystems aus dem Blut in das Herz gelotst werden. Die Studie wurde im Fachjournal "Angiogenesis" publiziert.

Dazu analysierten deutsche Wissenschaftler Herzgewebe von Patientinnen und Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen untersucht und diese mit Gewebeproben nach schweren Grippe-Infektionen durch das Influenzavirus sowie nach schweren, durch andere Viren verursachte Herzmuskelentzündungen verglichen.

Obwohl bei der COVID‑19‑Herzschädigung – anders als bei den Vergleichsproben – äußerlich keine klassische Entzündung des Herzgewebes festzustellen war, fand das Forschungsteam jedoch eine große Ansammlung von fehlaktivierten Entzündungszellen: Sogenannte Makrophagen und ihre Vorläuferzellen, die Monozyten. "Diese Monozyten haben eine herausragende Bedeutung als Vorläuferzellen der Blutgefäßneubildung und können in kürzester Zeit das Blutgefäßsystem umbauen", erklärt Christopher Werlein, Erstautor der Studie.

Kleinste Verstopfungen in Herzgefäßen

Ausgelöst durch die Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 sammeln sich in den nur wenige Millimeter dicken Herzgefäßen kleinste Verstopfungen an. "Diese Ultrathromben verändern den Blutstrom erheblich und damit auch die Sauerstoffversorgung", betont PD Dr. Kühnel. Das ruft die Monozyten auf den Plan, die sich an die inneren Gefäßwände heften und dort neue Verzweigungen ausbilden. Diesen Gefäßumbau hat das Team bereits zuvor in anderen Organen von COVID‑19‑Betroffenen als charakteristisches Schädigungsmuster beschrieben. Was möglicherweise als kurzfristige Rettungsreaktion des Körpers gedacht ist, um den verminderten Blutfluss und die Unterversorgung mit Sauerstoff auszugleichen, könnte zur chronischen Schädigung des Herzens und zu Long Covid führen, vermuten die Forscher. "Auf jeden Fall bestätigen die neuesten Untersuchungen unsere frühere Annahme, dass SARS-CoV-2 systemisch alle Gefäße im Körper angreift und diese langfristig umbaut", betont Professor Jonigk.

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