Ein täuschend echt aussehender Gegenstand hat in München einen folgenschweren Polizeieinsatz ausgelöst. Ein 14-jähriger Schüler wurde dabei von einem Polizisten angeschossen und schwer verletzt. Erst später stellte sich heraus: Der Jugendliche hatte eine Softair-Waffe bei sich, wie "Focus" berichtet.
Der Vorfall ereignete sich am Dienstagabend im Münchner Stadtteil Schwabing. Der 14-Jährige aus dem Landkreis Miesbach hantierte dort auf offener Straße mit einem Gegenstand, der wie eine Pistole aussah. Bei der vermeintlichen Waffe handelte es sich um eine Softair-Ausführung, die einer echten Beretta Pistole 92 im Kaliber 9 Millimeter täuschend ähnlich sah.
Zivilbeamte wurden auf den Jugendlichen aufmerksam und sprachen ihn an. Sie forderten ihn auf, die Waffe fallen zu lassen. Der 14-Jährige habe sich daraufhin mit der Waffe in der Hand zu den Polizisten umgedreht, berichtete Polizeisprecher Thomas Schelshorn.
In diesem Moment gab einer der Beamten einen Schuss ab. Das Projektil traf den Jugendlichen am Oberkörper. Der Schüler wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Sein Zustand sei derzeit stabil.
Nach dem Schuss beschäftigt sich nun das Bayerische Landeskriminalamt mit dem Einsatz. Wie in solchen Fällen üblich, werde geprüft, ob der Gebrauch der Polizeiwaffe rechtmäßig war.
Gegen den Beamten, der den Schuss abgegeben hatte, werde nicht ermittelt, betonte Schelshorn. Ermittlungen laufen hingegen gegen den 14-Jährigen wegen der Bedrohung der Polizisten. Der Jugendliche war den Behörden bereits zuvor bekannt.
Der 14-Jährige besitzt die türkische Staatsangehörigkeit. Beamte und Zeugen hatten ihn zunächst deutlich älter eingeschätzt.
Nach Angaben Schelshorns kam der Jugendliche 2023 gemeinsam mit seinen Eltern nach Deutschland und stellte einen Asylantrag. Dieser wurde jedoch abgelehnt. Zudem wurde eine Abschiebung angedroht.