Andreas Piepenbrink hat genug von dem Narrativ, dass der Solarzubau kritisch sei und die Stromnetze zusammenbrechen würden. "Es stimmt nicht", sagt der Chef des deutschen Energieunternehmens E3/DC.
Sein Unternehmen betreibt 190.000 Solaranlagen in ganz Deutschland und kann diese in Echtzeit vermessen. Die Auswertung von 110.000 Anlagen zeigt: Der Strom von kleinen Solaranlagen findet zu 98 Prozent seine Abnehmer vor Ort.
Das berichtet n-tv in einem ausführlichen Interview. Piepenbrink erklärt darin, dass der Strom im sogenannten Verteilnetz "versickert" - also direkt bei Nachbarn oder für Wärmepumpen und E-Autos verbraucht wird.
Die Daten widersprechen den Warnungen der Energiewirtschaft. An sonnigen Feiertagen wie Pfingsten befanden sich laut der E3/DC-Auswertung nur 0,15 Prozent der Netzanschlüsse im kritischen Bereich. 80 Prozent hatten überhaupt kein Problem.
"Die Energiewirtschaft behauptet, dass die Spannung durch den vielen Solarstrom zu hoch und die Trafos im Ortsnetz überlastet sind. Deshalb soll der Solarzubau begrenzt werden. Wir können genau nachmessen, ob das stimmt - es stimmt nicht", so Piepenbrink.
Der E3/DC-Chef kritisiert auch die Pläne, die Einspeisevergütung abzuschaffen. Diese liege bei sieben Cent pro Kilowattstunde und sei absolut gerechtfertigt. Sollte sie wegfallen, würden mehr als 400.000 Anlagenbesitzer jährlich ihre Energieversorger verlassen.
Statt die Netze massiv auszubauen, schlägt Piepenbrink vor, regelbare Ortsnetztrafos einzubauen. Diese funktionieren wie ein "Lautstärke-Regler" für die Spannung und könnten Überlastungen verhindern - ohne teure Netzausbauten.