Fassungslosigkeit herrscht in Südtirol, nachdem am Donnerstag gegen 6 Uhr früh ganze vier Stockwerke des Bozener Gerichtsgebäudes in sich zusammenkrachten. Aufgrund der Uhrzeit waren kaum Menschen im Gebäude – ein Riesenglück.
Hausmeister Federico Roso war hautnah dabei: "Ich habe dem Reinigungspersonal die Schlüssel übergeben und bin in die Portiersloge zurück. Plötzlich gab es einen gewaltigen Knall, wir sind alles zusammen hinausgelaufen, es bildete sich eine Staubwolke. Wir haben noch geschaut, ob alle da sind und dann den Notruf verständigt", schildert er dem ORF Südtirol.
Inmitten des Gebäudes klafft nun ein riesiges Loch, enorme Schuttmassen liegen auf den Treppen verteilt. Auch der große Schwurgerichtssaal ist eingestürzt, unzählige Akten sind verschüttet.
Aus diesem Grund wurden Verhandlungen auf unbestimmte Zeit vertagt. Dringende Prozesse werden laut ORF vorerst direkt im Gefängnis abgewickelt. Die 150 Mitarbeiter arbeiten im Home Office.
Anwalt Andreas Prantl ist der Schock, aber auch die Erleichterung, anzusehen: "Es ist ein Wunder, dass es um diese Uhrzeit passiert ist, sonst wären hier wahrscheinlich über 100 Tote", sagt er.