Der Donnerstag in Südtirols Landeshauptstadt Bozen begann mit einem Riesen-Krach. Gegen 6.20 Uhr brach im Bereich der Haupthalle hinter den Säulengängen plötzlich ein größerer Abschnitt des Gebäudes zusammen. Trümmer und Mauerteile verteilten sich über den Vorplatz.
Dort, wo sich bisher Verhandlungssäle und Verbindungswege befanden, klafft nun ein riesiges Loch. Vom Gerichtsplatz aus ist der Blick quer durch das beschädigte Gebäude möglich.
Sofort rückten Berufsfeuerwehr, Staatspolizei und Rettungsdienst an. Das gesamte Areal wurde abgesperrt und gesichert. Parallel dazu begannen Experten mit der Überprüfung der Stabilität der verbliebenen Gebäudeteile.
Zum Zeitpunkt des Einsturzes befanden sich nur der Hausmeister und mehrere Reinigungskräfte im Gebäude. Sie hatten riesiges Glück: Einzige Verletzte ist eine Reinigungskraft, die von herabstürzenden Trümmern zum Glück nur leicht am Arm verletzt wurde. Ein Video auf X zeigt, wie sich unmittelbar nach dem Einsturz eine Staubwolke über den Vorplatz legt.
Unmittelbar danach wurden alle aus dem Gebäude evakuiert. "Uns geht es allen gut", berichtet Hausmeister Federico Rosa nach dem Vorfall der Südtiroler Nachrichtenseite stol.it. "Am wichtigsten ist, dass niemand schwer verletzt wurde", war er sichtlich erleichtert.
"Für uns ist das ein Schock", sagt auch Rechtsanwalt Alessandro Tonon, der wenig später am Schauplatz eintrifft, zu stol.it. „Das Gericht ist für uns wie ein Zuhause. Dort arbeiten Verwaltungsmitarbeiter, Anwälte und Richter, täglich kommen Zeugen und Einsatzkräfte ins Gebäude".
Dass der Einsturz um diese Zeit passiert ist, bezeichnet er als großes Glück: "Um 10 Uhr hätte die Situation ganz anders ausgesehen." Zu dieser Zeit hätte dann bereits Vollbetrieb geherrscht.
Nach der Absicherung des Gefahrenbereichs starteten die Einsatzkräfte erste Erkundungen. Mithilfe einer Drohne wurden Aufnahmen aus dem Inneren des Gebäudes erstellt, um das Ausmaß der Schäden und die Ursache des Einsturzes besser beurteilen zu können.
Im zentralen Bereich des Justizgebäudes fanden bereits seit rund einem Monat Umbauarbeiten statt. Dabei wurden unter anderem Stützpfeiler ausgetauscht. Ob die Arbeiten mit dem Einsturz in Zusammenhang stehen, ist derzeit völlig offen. Die Ursache wird von den Behörden untersucht. Eine Explosion schließen die Einsatzkräfte nach ersten Erkenntnissen aus.
Der Justizpalast am Gerichtsplatz wurde ab 1939 im rationalistischen Baustil der faschistischen Zeit errichtet und 1956 fertiggestellt. Bis heute ist das markante Gebäude Sitz des Landesgerichts Bozen. Wie schwer die Bausubstanz tatsächlich beschädigt wurde und wann das Gericht wieder genutzt werden kann, ist derzeit völlig offen.
Bis die betroffenen Bereiche wieder genutzt werden können, muss der Gerichtsbetrieb voraussichtlich in Ausweichquartieren fortgeführt werden.