Neue Berichte über mögliche Pläne des Kremls sorgen für Aufsehen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei dem Kreml nahestehende Personen berichtet, soll Russlands Präsident Wladimir Putin derzeit nicht an Friedensverhandlungen interessiert sein. Stattdessen bereite er eine weitere Eskalation des Krieges vor.
Auslöser dafür sollen demnach die jüngsten ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und Hafenanlagen sein. Zwei der Insider gehen laut Reuters davon aus, dass Putin den Konflikt in den kommenden Monaten weiter verschärfen wird. Einer der Gesprächspartner sprach sogar von einer "hohen Wahrscheinlichkeit" einer Eskalation.
Damit widersprechen die Aussagen den jüngsten Einschätzungen von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte erklärt, Putin wolle den Krieg beenden. Zuvor hatte Trump sowohl mit dem russischen Präsidenten als auch mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj telefoniert und Selenskyj zudem beim NATO-Gipfel getroffen.
Auch aus ukrainischen Regierungskreisen kommen besorgniserregende Signale. Dort heißt es, Geheimdienstberichte deuteten darauf hin, dass Putin neue Militäroperationen oder sogar einen Angriff auf ein anderes europäisches Land vorbereiten könnte.
Russische Militärexperten diskutieren laut dem Bericht inzwischen öffentlich über eine mögliche Ausweitung des Krieges. Als denkbare Ziele werden unter anderem NATO-Stützpunkte in den baltischen Staaten genannt. Der frühere Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums Andrei Ilnizki schrieb zudem, eine weitere Phase des Konflikts könnte Angriffe auf NATO-Basen im Baltikum und in Rumänien sowie auf europäische Rüstungsbetriebe umfassen, die Waffen für die Ukraine produzieren.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies diese Darstellung auf Nachfrage nicht zurück. Russland müsse seine Sicherheit stärken, erklärte er.
Der Militärexperte Jack Watling von der Londoner Denkfabrik Rusi geht allerdings nicht davon aus, dass Russland einen offenen Krieg mit der NATO anstrebt. Seiner Einschätzung nach könnten begrenzte Angriffe vielmehr darauf abzielen, das Bündnis bei der Frage einer gemeinsamen Reaktion zu spalten. Gleichzeitig könnte eine Konfrontation mit der NATO Putin innenpolitisch als Rechtfertigung für eine weitere Mobilmachung dienen.
Währenddessen dauern die Kämpfe im Osten der Ukraine an. Nach Informationen aus Kreml-Kreisen hält Putin weiter daran fest, den noch von der Ukraine kontrollierten Teil der Region Donezk einzunehmen. Nach Angaben des US-Forschungsinstituts CSIS wurden seit Beginn des russischen Angriffskrieges Anfang 2022 rund zwei Millionen Soldaten getötet, verwundet oder gelten als vermisst. Darunter sollen sich schätzungsweise 1,4 Millionen russische Soldaten befinden.