Nach den aufgedeckten Vorwürfen gegen Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfs bekommt die Hilfsorganisation das verlorene Vertrauen nun auch finanziell zu spüren: 2025 gingen die Spenden im Vergleich zum Jahr davor um satte 14 Prozent zurück – ein Minus von 4,2 Millionen Euro – das teilte die Organisation am Donnerstag mit.
Besonders seit Herbst steht der Verein massiv unter Druck. Damals wurden zahlreiche alte Missbrauchs-Vorwürfe aus Einrichtungen in ganz Österreich öffentlich. Seither kamen 107 neue Meldungen über mögliche Kindeswohlgefährdungen oder Kinderschutzverletzungen dazu.
Nun wird ein Fall in Wien erneut untersucht. Es geht um einen bereits bekannten Fall aus den 2010er-Jahren. Eine leitungsverantwortliche Person wurde vorübergehend dienstfrei gestellt, um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden. Konkret soll geklärt werden, wann sie über die schweren Vorwürfe informiert und wie intern darauf reagiert wurde. Der beschuldigte Mitarbeiter selbst ist seit 2017 nicht mehr bei SOS-Kinderdorf, das damalige Betreuungsteam wurde aufgelöst.
Die schweren Vorwürfe: Gewalt, Vernachlässigung, psychische Misshandlung bis hin zu sexualisierter Gewalt. Die betroffenen Kinder erhielten laut Organisation Unterstützungsangebote. Bereits 2018 wurde eine interne Revision gestartet. Die Betreuung der Kinder sei aktuell gesichert.
Auch die Reformbemühungen laufen weiter. Die von Irmgard Griss geleitete Reform- Kommission besuchte zuletzt die Standorte Moosburg und Imst, um sich ein Bild vom Fortschritt zu machen. Eine zentrale Falldatenbank zur internen Aufarbeitung wurde ebenfalls eingerichtet. Der Aufsichtsrat und eine neu besetzte Opferschutzkommission begleiten die Aufarbeitung.
In der aktuellen Spendenbilanz fehlen noch Einnahmen aus Verlassenschaften. SOS-Kinderdorf hofft daher, dass das endgültige Ergebnis nicht ganz so dramatisch ausfällt. Man bedanke sich bei allen Menschen, "die gerade in dieser schwierigen Zeit bewusst an der Seite der Kinder blieben", heißt es laut SOS-Kinderdorf auf "wien.orf.at".