Wien ist bei Großfamilien mit Sozialhilfebezug Österreichs Spitzenreiter. Fast vier von fünf betroffenen Familien leben in der Bundeshauptstadt. Das geht aus einer Auswertung der Statistik Austria für das Jahr 2024 hervor.
Von insgesamt 2.110 Familien mit mindestens fünf minderjährigen Kindern, die österreichweit Sozialhilfe erhielten, waren 1.670 in Wien gemeldet. Darunter befanden sich 1.420 Paare und 250 Alleinerzieher. In den übrigen Bundesländern lagen die jeweiligen Zahlen für Paare und Alleinerzieher durchwegs unter 100.
Wien hat allerdings auch die meisten kinderreichen Familien. Insgesamt leben dort 3.505 Familien mit mindestens fünf Kindern unter 25 Jahren. In Niederösterreich sind es 1.372, in Oberösterreich 1.346.
Die Statistik wird mitten in der Diskussion über die geplante Sozialhilfe-Reform bekannt. Auslöser der Debatte war unter anderem eine Wiener Großfamilie, die 9.000 Euro an Sozialhilfeleistungen erhielt.
Künftig sollen die Beträge für das erste und ab dem fünften Kind bundesweit einheitlich festgelegt werden. Für das zweite bis vierte Kind bleibt den Ländern ein begrenzter Spielraum. Ab dem fünften Kind sollen die bisherigen Leistungen um mehr als die Hälfte gekürzt werden.
Die Statistik zeigt zudem, dass bei Familien mit besonders vielen Kindern häufig beide Elternteile im Ausland zur Welt kamen. Bei fünf Kindern betrifft das 4.088 Familien, während bei 2.098 zumindest ein Elternteil in Österreich geboren wurde.
Wichtig: Diese Angaben umfassen alle Großfamilien, unabhängig davon, ob sie Sozialhilfe beziehen.
Die Reform soll am 1. Jänner 2027 starten. Für Alleinstehende sind künftig 1.230 Euro netto als Fixbetrag vorgesehen. Auch die Vorgaben für erwerbsfähige Bezieher sollen verschärft werden.
Die Regierung rechnet für 2028 mit Einsparungen von 188 Millionen Euro, ein Jahr später mit "über 237 Millionen Euro". Caritas und Volkshilfe warnen hingegen vor einer zunehmenden finanziellen Belastung armutsgefährdeter Familien und möglichen Folgen für Kinder.