Die Pläne zur Gesundheitsreform sorgen für massive Unruhe in der Steiermark. Grund sind neue Bundesvorgaben, wonach kleinere Spitäler bis 2040 geschlossen werden sollen, wenn sie zu wenige Fachabteilungen haben oder unter 180 Betten zählen.
Laut den Vorschlägen wären österreichweit mehr als 60 kleinere Spitäler betroffen, das berichtet die Kleine Zeitung. In der Steiermark begann nach Bekanntwerden der Pläne sofort das Rechnen, das Ergebnis ist brisant.
Würde die Regel streng nach einzelnen Standorten angewendet und nicht nach den bestehenden Spitalsverbünden, könnten mehrere Landeskrankenhäuser betroffen sein. Selbst bei einer großzügigeren Auslegung würden laut den Berechnungen unter anderem Vorau, ein Teil des GGZ in Graz sowie das NTK in Kapfenberg infrage stehen.
Besonders brisant ist die Situation in der Region Liezen. Das geplante Spitalsnetz Rottenmann und Bad Aussee kommt in der aktuellen Planung auf 175 Betten und würde damit unter der vorgesehenen Grenze liegen. Ausgerechnet das Zukunftsprojekt für die Region müsste nach diesen Vorgaben bis 2040 wieder schließen, so die Kleine Zeitung.
Für zusätzlichen Zündstoff sorgt ein Detail: Das ursprünglich geplante Leitspital wäre mit 240 Betten nicht betroffen gewesen. Dieses Projekt wurde jedoch gestoppt. Der spätere Plan B wurde auf 175 Betten ausgelegt.
Die Pläne des Bundes stoßen in mehreren Bundesländern auf heftigen Widerstand. "Ein Drüberfahren, wie das von Ministerin Schumann via Medien angedeutet wurde, wird es mit der Steiermark sicher nicht geben", stellte Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (VP) klar, so die Kleine Zeitung.
Dabei betont der Bund gleichzeitig, kleine Spitäler sollten gar nicht geschlossen werden. Genau das sorgt nun für Verwirrung. Denn die diskutierte Mindestgröße und die Vorgaben für das Fächerangebot würden genau zu diesem Ergebnis führen.
Der scheidende Kages-Vorstandsvorsitzende Gerhard Stark hält wenig von einer starren Betten-Grenze. "Die Anzahl der Betten, das sieht man an den Zahlen, ist heute nicht mehr das entscheidende Element. Es geht um Erreichbarkeitszeiten, und wo und wie ich Fächer an unterschiedlichen Standorten mit tagesklinischen Leistungen einsetze. Man kann alles denken und rechnen, aber es geht auch darum, was gesellschaftlich verträglich ist."
Stark verweist in der Kleinen Zeitung darauf, dass sich die Versorgung längst verändert habe. Seit 2017 seien die tagesklinischen Leistungen um 76 Prozent und die ambulanten Leistungen um 54 Prozent gestiegen, während die stationären Aufenthalte um 19 Prozent zurückgingen.
Auch für die Region Liezen warnt er vor vorschnellen Schlüssen. "Deshalb kann man nicht nur über Betten reden und mit Aussagen den Eindruck entstehen lassen so ein Bezirk könne unversorgt bleiben, weil man die untere Bettengrenze nicht überschreitet."