Der Machtkampf um die Spitze der SPÖ Niederösterreich spitzte sich am Mittwochnachmittag weiter zu. Der Grund: Eine mögliche Kampfabstimmung beim Landesparteitag am 30. Mai in Vösendorf, bei der es zu einem direkten Duell kommen (hätte) können. Die Telefonate liefen in den letzten Tagen jedenfalls heiß – mit einem überraschenden Ausgang!
Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig, die nach einem "NÖN"-Bericht offiziell ihre Kandidatur gegen den amtierenden Landesparteivorsitzenden Sven Hergovich per E-Mail an den Landesparteivorstand bestätigt hatte, wollte Sven Hergovich herausfordern.
Innerhalb der Partei in NÖ sind die Gräben tief, Politbeobachter konnten über das Schauspiel nur staunen. Der offene Schlagabtausch zeigt, wie angespannt die Lage aktuell ist und wie sehr die SPÖ auch in Niederösterreich intern unter Druck steht.
Königsberger-Ludwig begründete in ihrem Schreiben ihre Kandidatur mit der "schwierigen Situation" der Partei. Sie sieht die SPNÖ derzeit nicht als ausreichend konstruktive Kraft wahrgenommen und wollte daran etwas ändern. Ihr Ziel sei es, ein starkes und konsensfähiges Team für die Zukunft aufzubauen, insbesondere mit Blick auf die Landtagswahl 2028.
Die Parteiführung wurde von der Kandidatur komplett überrascht. Hergovich selbst zeigte sich enttäuscht, dass er von der Gegenkandidatur aus den Medien erfahren habe. Er hielt jedenfalls an seiner Kandidatur fest, sieht seine Aufgabe darin, die SPÖ in Niederösterreich weiter zu stärken. Er verwies auf stabile Umfragewerte und wolle langfristig die aktuelle politische Konstellation in Niederösterreich verändern. Gleichzeitig hatte er zu internen Gesprächen statt öffentlicher Auseinandersetzungen aufgerufen – ging in die Offensive, lud zur Krisensitzung.
Kritik kam in den letzten Tagen auch von hochrangigen SPÖ-Funktionären: AKNÖ-Präsident und ÖGB NÖ-Chef Markus Wieser bezeichnete die Vorgangsweise von Königsberger-Ludwig als hinterfragenswert, auch wenn mehrere Kandidaten grundsätzlich demokratisch seien.
Doch während das Umfeld von Königsberger-Ludwig wohl auf einen freiwilligen Rückzug Hergovichs gehofft hatte, rief der SPNÖ-Chef seinerseits eine Sitzung des erweiterten Landesparteipräsidiums ein (der Start war heute, Mittwoch, um 15 Uhr).
Hinter den Kulissen wurde händeringend an einem Kompromiss gearbeitet, um die parteiinterne Auseinandersetzung, also eine Kampfabstimmung, zu vermeiden.
Am späten Mittwochnachmittag steht nach der Sitzung fest: Ulrike Königsberger-Ludwig zieht ihre Kandidatur zurück – verliert damit den Machtkampf gegen Sven Hergovich!
Eine Niederlage ist der Rückzug der Staatssekretärin freilich auch für SPÖ-Bundesparteichef Andreas Babler, der Königsberger-Ludwig in der Polit-Posse unterstützt hatte.
In der Sitzung einigte man sich: Sven Hergovich soll als Spitzenkandidat in die Wahl 2028 gehen. Ulrike Königsberger-Ludwig soll Stellvertreterin werden. Beide gaben sich versöhnlich: Man wolle gemeinsam "an einem Strang ziehen".