Die Personalnot in den städtischen Kindergärten ist eklatant: Allein im Jahr 2025 verließen 715 Mitarbeiter die Einrichtungen – darunter 592 Kündigungen bzw. Auflösungen des Dienstvertrages und 123 Pensionierungen. Besonders betroffen sind derzeit 260 Kindergartengruppen.
Laut MA 10 (Kindergärten) werden momentan rund 560 offene Dienstposten für Elementarpädagog*innen sowie weitere 290 Stellen für inklusive Elementarpädagog*innen verzeichnet. Trotz der angespannten Situation sei die Betreuung der Kinder weiterhin gewährleistet, betont die Stadt.
Die konkreten Zahlen zeigen das Ausmaß des Problems: Im vergangenen Jahr traten 300 Elementarpädagoginnen aus dem Dienst aus oder ihre Arbeitsverhältnisse wurden aufgelöst. Weitere 58 Pädagoginnen gingen in Pension. Auch bei den Assistentinnen gab es zahlreiche Abgänge: Insgesamt verließen 357 Assistentinnen die städtischen Kindergärten, darunter 65 Pensionierungen.
Damit summieren sich die Abgänge auf 715 Mitarbeiterinnen, davon 592 Austritte ohne Pensionsantritt. Die Folgen des Personalmangels sind bereits deutlich spürbar. Laut MA 10 werden derzeit rund 260 Kindergartengruppen von jeweils zwei Assistentinnen statt von einer ausgebildeten Elementarpädagogin und einer Assistentin betreut.
Zur Betreuung durch Assistentinnen verweist die MA 10 auf die sogenannte Nachsicht-Regelung: "Die Nachsicht ist ein wichtiger Bestandteil des Wiener Kindergartengesetzes, um sicherzustellen, dass die Kinder in den Kindergärten ausreichend und geeignet betreut werden. Nachsichten werden auf Gruppen ausgestellt, nicht auf Personen und sind erforderlich, wenn ausgebildetes Betreuungspersonal nicht ausreichend zur Verfügung steht."
Elementarpädagoginnen tragen normalerweise die gruppenführende Verantwortung für die pädagogische Planung und Umsetzung. Assistentinnen unterstützen sie dabei, verfügen jedoch über eine kürzere Ausbildung. Während Elementarpädagoginnen eine fünfjährige Ausbildung an einer BAfEP oder ein einschlägiges Bachelorstudium absolvieren, erfolgt die Ausbildung von Assistentinnen meist über eine dreijährige Fachschule oder spezielle Lehrgänge.
Für Unmut sorgt die Situation auch bei Eltern. Eine Mutter aus Liesing schildert ihre Erfahrungen auf Facebook: "In beiden Gruppen meiner Söhne sind die zuständigen Pädagoginnen schon seit Monaten weg, und die Kinder werden seitdem nur noch von Assistentinnen betreut. Die Assistentinnen geben bestimmt ihr Bestes, aber ich habe das Gefühl, dass die Kinder nicht mehr richtig gefördert werden und diese wichtige Zeit einfach ungenutzt vergeht."
Besonders kritisch ist die Lage bei der Betreuung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Laut Stadt fehlen derzeit 290 inklusive Elementarpädagog*innen. Dennoch versichert die MA 10, dass die vorgeschriebene Betreuung im verpflichtenden Kindergartenjahr mit 20 Wochenstunden sichergestellt sei.
Als Ursachen für den generellen Personalmangel nennt die MA 10 mehrere Faktoren: Bevölkerungswachstum, steigende Bildungsanforderungen, Zuwanderung sowie den allgemeinen Fachkräftemangel im elementarpädagogischen Bereich. "Dieser Mangel betrifft nicht nur Wien, sondern ganz Österreich bzw. den europäischen Raum. Das Problem ist leider nicht neu", heißt es.
An der Bezahlung dürfte der Personalmangel nicht liegen. Das Einstiegsgehalt für Elementarpädagoginnen in städtischen Einrichtungen beträgt derzeit 3.453 Euro brutto, für inklusive Elementarpädagoginnen 3.967 Euro brutto. Assistentinnen erhalten zum Berufseinstieg 2.421 Euro brutto.