In seinem neuen Roman "No Way Home" begibt sich Bestseller-Autor T.C. Boyle diesmal weniger ins Herzen amerikanischer Politik oder Geschichte, sondern beleuchtet ein kompliziertes Liebesdreieck voller Eifersucht und Leidenschaft. Der 76-Jährige ist hingegen privat seit 51 Jahren mit seiner Ehefrau Karen Kvashay glücklich.
"Ich stehe seit dem College unter dem Bann von Frau Boyle, als sie eine anmutige, junge Frau im heiratsfähigen Alter war. Wir sind zusammen erwachsen geworden. Wir waren Hippies und Rebellen, streiften durch Hügel und schwammen in Seen, gingen auf die Hochschule, fanden Jobs und bekamen Kinder", erzählt er im "Heute"-Gespräch.
"Unser Geheimnis ist: Jeden Morgen vor dem Frühstück ziehen wir uns unsere Boxhandschuhe an und legen für etwa fünf Minuten los – danach herrscht Harmonie", sagt er augenzwinkernd. "Gibt es die vollkommene Liebe zwischen Mann und Frau? Daran zweifle ich. Schaut euch nur an, was mit Adam und Eva passiert ist", ergänzt Boyle im Hinblick auf die Helden seines Buchs. Die lebensfrohe, attraktive Kellnerin Bethany steht zwischen zwei Männern, ihrem Ex-Freund Jesse und dem Arzt Terrence, mit dem sie eine Affäre beginnt.
"Wir alle wünschen uns absolute Hingabe und Vertrauen. Manche von uns bekommen sie, andere nicht. Da muss man nur das ständig wachsende Heer an Scheidungsanwälten fragen.“ Aus Boyles Geschichte lässt sich nicht jedoch unbedingt etwas Allgemeines ableiten, "außer vielleicht, dass jede Situation einzigartig ist und, dass der Leser oder die Leserin dankbar sein kann, nicht selbst in ein solch bitteres emotionales Wirrwarr verstrickt zu sein."
Chaos ortet Boyle auch in seiner Heimat, den USA. "Es ist katastrophal. Jeden Tag ein neuer Skandal", so die Diagnose des Trump-Kritikers. "Unser Land ist von feindlichen Kräften übernommen worden, die Demokratie ist zerschlagen, und die Herrschaft des Rechts wurde in die Herrschaft der Launen, Wünsche und – vor allem – des Hasses eines einzelnen Mannes verwandelt."
Der Bestseller-Autor geht noch einen Schritt weiter: "Wir sehnen uns nach dem Tod, um all dem ein Ende zu setzen – nach unserem kollektiven Tod oder vielleicht, nur vielleicht, dem Tod dieses einen Individuums, das nicht einfach über dem Gesetz steht, sondern das Gesetz selbst ist." Am 19. November liest der Schriftsteller um 19.30 Uhr im Wiener Konzerthaus aus seinem neuen Werk. Die deutsche Version wird von Schauspieler Ben Becker vorgetragen. Es gibt noch Restkarten.