Paolo Cappuccio, in der Branche kein Unbekannter, suchte im Sommer 2025 Personal für die Wintersaison in einem Vier-Sterne-Hotel in Madonna di Campiglio. Doch die Art, wie er seine Wunschkandidaten öffentlich beschrieb, sorgte für heftige Kritik: Statt auf Qualifikationen zu setzen, formulierte er sehr persönliche Ausschlusskriterien.
Dazu zählen laut dem Italiener, "Kommunisten/Faulenzer, Menschen mit Alkohol-, Drogen- oder sexuellen Orientierungsproblemen" als nicht geeignet. "Wenn also noch mehr oder weniger normale Leute übrig sind … würde ich mich freuen", legt Cappuccio nach.
Vor Gericht versuchte Cappuccio, die Wogen zu glätten. Sein Beitrag habe nicht der gezielten Bewerberauswahl gedient, argumentierte er. Diese Darstellung überzeugte die zuständige Richterin jedoch nicht, wie "20 Minuten" berichtet. Sie kam zu dem Schluss, dass der Post sehr wohl geeignet gewesen sei, Interessenten abzuschrecken. Ausschlaggebend sei gewesen, dass die Auswahl nicht nach fachlichen oder objektiven Gesichtspunkten erfolgt sei, sondern nach Merkmalen, die tief in die Privatsphäre eingreifen.
Damit verstoße das Vorgehen klar gegen grundlegende Prinzipien der italienischen Verfassung, insbesondere Gleichheit und Solidarität. Das Gericht in Trient verurteilte den Starkoch deshalb zur Zahlung von 6000 Euro an den Gewerkschaftsbund CGIL.
"Wir kämpfen gegen jede Form von Diskriminierung. Diese Aussagen waren inakzeptabel – und zwar nicht nur im Hinblick auf die sexuelle Orientierung", erklärte CGIL-Anwältin Manuela Faggioni gegenüber "Il Fatto Quotidiano". Ebenso problematisch sei die implizite Annahme, dass Menschen mit linken politischen Überzeugungen, nicht-heterosexuellen Lebensweisen oder gewerkschaftlichem Engagement pauschal als untätig oder minderwertig abgestempelt würden.