Für Opfer von sexueller Gewalt ist die Geschichte einer 36-jährigen Steirerin doppelt falsch: Sie erfand eine Vergewaltigung und brachte damit nicht nur Unschuldige in Bedrängnis. Sie verhöhnte mit ihrer Lüge auch alle Frauen, die tatsächliche Übergriffe erlebten. Die Angeklagte musste sich am Dienstag wegen Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung und falscher Beweisaussage am Grazer Straflandesgericht verantworten. Sie hatte behauptet, zwei Männer hätten ihr heimlich Drogen ins Getränk geschüttet und sie nachher missbraucht. Doch dieser Vorfall ist niemals passiert.
"Ich war in einer Ausnahmesituation. Ich wollte wirklich niemanden schikanieren oder jemandem Arbeit machen", zeigte sie vor Gericht späte Reue. "Ich habe da sehr viel Alkohol und Suchtmittel konsumiert", versuchte sie sich für ihre konstruierte Story zu rechtfertigen. Die 36-Jährige hatte erzählt, am Tag der angeblichen Vergewaltigung in einem Café Kontakt mit zwei Männern gehabt zu haben. Diese hätten ihr dann K.O.-Tropfen ins Glas gegeben und ihr vorgeschlagen, sie nach Hause zu bringen. Doch die mutmaßlichen Täter seien am Haus der Steirerin vorbeigefahren. Sie wollte flüchten, doch sei geschnappt und im Wald missbraucht worden.
Hilfe für Betroffene
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
"Ihre Angaben waren genau. Die vielen Zeugen sagten etwas anderes. Die Folge war ein umfangreiches Ermittlungsverfahren", ärgerte sich Richterin Barbara Schwarz in der "Kleinen Zeitung". Die Angeklagte ist schon früher im Zusammenhang mit Alkohol auffällig geworden. Sie musste bereits Verwaltungsstrafen über 2500 Euro zahlen, weil sie angetrunken Auto gefahren ist. Auch Drogenprobleme sind schon länger ein Thema bei ihr. Die Steirerin wurde zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt und muss zusätzlich auch Bewährungshilfe in Anspruch nehmen.