Lebensmittel werden knapp, medizinische Hilfe ist kaum erreichbar und eine sichere Flucht ist für viele Bewohner nicht möglich: In der russisch besetzten Stadt Oleschky in der Region Cherson verschärft sich die humanitäre Krise. Rund 2.000 Menschen sollen noch in der Stadt leben. Vor dem Krieg waren es etwa 24.000.
Besonders dramatisch ist laut BILD die Versorgungslage. Die letzte bekannte Lebensmittellieferung erreichte Oleschky am 26. Mai. Der letzte regulär betriebene Lebensmittelmarkt hatte bereits im Jänner wegen fehlender Waren geschlossen. Seither sind die verbliebenen Bewohner unter anderem auf Vorräte und Lebensmittel aus eigenem Anbau angewiesen.
Ein Verlassen der Stadt ist mit erheblichen Gefahren verbunden. Die UN-Menschenrechtsbeobachter berichten von Minen und häufigen Drohnenangriffen, die sowohl Evakuierungen als auch Hilfslieferungen massiv erschweren. Am 2. Juni fuhr ein Fahrzeugkonvoi mit Lebensmitteln und Hilfsgütern am Stadtrand auf eine Mine. Ein Mann wurde dabei getötet, drei weitere Menschen wurden verletzt. Bei einzelnen Angriffen konnte die UNO nicht abschließend feststellen, welche Kriegspartei verantwortlich war.
Bewohner, die aus Oleschky fliehen wollen, sollen laut BILD an russischen Kontrollpunkten teilweise zurückgeschickt werden. Dabei soll ihnen der Satz "Geh zurück und stirb dort" zugerufen worden sein.
Auch Human Rights Watch berichtet von Bewohnern, die beim Versuch, Oleschky zu verlassen, mit gefährlichen und unvorhersehbaren Bedingungen an russischen Kontrollpunkten konfrontiert waren. Ein organisiertes Evakuierungssystem für besonders gefährdete Menschen gab es nach Angaben der Organisation im Juli nicht.
Ukrainische Behörden werfen den russischen Besatzungskräften vor, Evakuierungen zu blockieren und die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten zu behindern. Auch die OSZE dokumentierte Aussagen, wonach russische Kräfte Bewohner am Verlassen Oleschkys gehindert haben sollen. Russland ist als Besatzungsmacht nach internationalem humanitärem Recht verpflichtet, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern sicherzustellen beziehungsweise notwendige Hilfsmaßnahmen zu ermöglichen.
Am 15. September forderte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erneut internationalen Druck für einen Zugang zur Stadt und humanitäre Korridore. Die Bewohner müssten Hilfe erhalten und die Möglichkeit bekommen, Oleschky zu verlassen.
Mit dem Ende des Sommers könnte sich die ohnehin kritische Versorgungslage weiter zuspitzen. Verlässliche Informationen direkt aus der besetzten Stadt sind allerdings nur eingeschränkt verfügbar.