Straches Facebook ist 180.000 Euro pro Monat wert

Straches Facebook-Seite wird seit gut einer Woche von der Partei kontrolliert. Der "Heute"-Artikel darüber schlug hohe Welle. In der Causa geht es um weit mehr als ein angeknackstes Ego.
Es ist sein Name, sein Gesicht – und doch muss jetzt jedes Posting, das Heinz-Christian Strache auf seiner Facebook-Seite an seine rund 795.000 Fans senden will in der Parteizentrale kontrolliert und abgesegnet werden.

Diese Maßnahme, die "Heute" am Mittwoch aufdeckte, "trifft ihn mitten ins Herz", wie Partei-Insider verraten. Es geht aber dabei nicht nur um ein angeknackstes Ego, sondern um viel viel Geld und Macht.

++ Straches Hardcore-Fans drohen der FPÖ jedenfalls mit Stimmenzug. Mehr dazu hier. ++

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180.000 Euro pro Monat



Denn es geht darum, Wähler und solche, die es noch werden sollen, auf Facebook bestmöglich zu erreichen. Gerade in Wahlkampfzeiten ein unglaublicher Vorteil. Straches 800.000 Fans und seine noch immer unerreichte Interaktionsrate (auf keiner Politiker-Seite kommentieren die User soviel wie bei Strache) sind da Gold wert.

Wie viel genau, hat der Chef des Digitalmarketingunternehmens Httpool, Florian Magistris, für den ORF ausgerechnet. Würde die FPÖ die Postings, die auf der Strache-Seite gemacht werden, bezahlen müssen, müsste sie dafür 180.000 Euro pro Monat ausgeben.

Das setzt sich so zusammen: Im Schnitt postet Strache viermal am Tag. Videos, die er teilt, werden zwischen 100.000 und 300.000 Mal angesehen. In der Werbung ist es üblich, vier Cent pro Seher zu zahlen – macht 4.000 Euro pro Video. Postings mit Text und Bild erreichen bei Strache eine Reichweite von 200.000 Sichtkontakten. Dafür wären durchschnittlich 800 Euro fällig. Das macht einen Mittelwert von 1.500 Euro pro Strache-Posting. Multipliziert man das mit 120 x pro Monat kommt man auf einen Wert von 180.000 Euro.

"Als Politiker oder Partei müsste man bis zu diesem Ausmaß Geld ausgeben, um die Inhalte in diesem Ausmaß zu verbreiten", erläutert Magistris.

Machtbastion



Es geht aber auch noch um etwas anderes: Den politischen Aspekt, die Macht. Strache hatte mit der Seite die Möglichkeit, direkt mit Kernwähler zu kommunizieren. Für ihn kommt der derzeitige "Maulkorb" einer Entmachtung gleich.

Wieso das für die Partei aber sinnvoll ist, erklärt sich Digitalexpertin Ingrid Brodnig so: "Solange Strache dort postet und sich nicht mit der Partei abstimmt, ist die Seite für die FPÖ eine Gefahr", sagt sie gegenüber "orf.at". Ein Beispiel: Strache will die Aufmerksamkeit weiter auf die Aufklärung des Ibiza-Skandals lenken, die FPÖ würde das Thema wahrscheinlich lieber verschweigen. (csc)

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