Wildtiere unter Schutz werden in Österreich laut WWF viel zu rasch zur Tötung freigegeben. Die Umweltschutzorganisation sieht beim Management von Wolf, Luchs, Biber, Fischotter und Seeadler in allen Bundesländern teils erhebliche Defizite. Zu diesem Ergebnis kommt das nun veröffentlichte Bundesländer-Barometer.
"Geschützte Wildtiere landen in Österreich viel zu schnell auf der Abschussliste", sagt WWF-Expertin Sarah Layendecker. Gleichzeitig gebe es beim Monitoring, bei Präventionsmaßnahmen und beim Konfliktmanagement großen Nachholbedarf.
Für die Bewertung analysierte der WWF Daten aus den Bundesländern und holte zusätzliche Informationen bei den zuständigen Stellen ein. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Kein Bundesland erreicht eine gute Gesamtbewertung.
Besonders scharf fällt die Kritik beim Wolf aus. Zwar gibt es hier Kompensationszahlungen für betroffene Tierhalter, gleichzeitig ermögliche eine Verordnung weitreichende Abschüsse. Diese seien laut WWF nicht ausreichend wissenschaftlich begründet und mit EU-Recht schwer vereinbar.
Auch beim Luchs sieht die Organisation Handlungsbedarf. Es fehle ein klares Management und ein eigenes Artenschutzprogramm. Zudem habe sich der Bestand zuletzt nicht weiterentwickelt.
Österreichweit betrachtet sorgen vor allem die Tötungsfreigaben für Biber, Fischotter und Wolf für Kritik. Seit 2020 wurden laut WWF mehr als 1.200 Tiere dieser geschützten Arten auf Grundlage von Verordnungen getötet, die nach Ansicht der Organisation gegen EU-Naturschutzrecht verstoßen.
Besonders kritisch bewertet der WWF die Situation in Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark. Dort würden Tötungsverordnungen, mangelnde Prävention und unzureichende Managementpläne zusammentreffen.
In Kärnten und Salzburg stehen hohe Abschusskontingente bei Biber und Fischotter in der Kritik. In Vorarlberg dürfen Wölfe mittlerweile auch präventiv abgeschossen werden.