Viennale-Beitrag

Susanne Wuest: "Echte Oscar-Chance" für neuen Film

Die Wiener Schauspielerin verkörpert im Epos "In die Sonne schauen" eindringlich eine vom Leben gezeichnete Mutter. Der Film lässt niemanden kalt.
Sandra Kartik
23.10.2025, 06:00
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Der deutsche Film "In die Sonne schauen", der ab 23. Oktober auf der Viennale und ab 7. November im Kino läuft, geht unter die Haut. Das radikale Epos, das vier Generationen von Frauen zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Gegenwart in einem Vierkanthof in Norddeutschland begleitet, ist nach dem Jury-Preis in Cannes nun offizieller Oscar-Beitrag für Deutschland. Die Zeitebenen überschneiden sich dabei immer wieder.

Wienerin Susanne Wuest ("Ich seh Ich seh") schlüpft im ersten Spielfilm von Regisseurin Mascha Schilinski in die Rolle einer vom Schicksal gebeutelten Mutter, die in der Zwischenkriegszeit immer mehr ins Schweigen abgleitet. Der Verlust eines Kindes und die Notwendigkeit, ihren Sohn mit extremen Mitteln vor dem Krieg zu schützen, zeichnen sie zunehmend.

"Danach Schnaps und Spaziergang"

"Der Grund, warum der Film funktioniert, hat mit der Familiengeschichte zutun, die den Zuschauern auch sehr viel über sich selbst bewusst macht. Er ist universell, eine Meditation über das Leben, man muss ihn erleben", sagt Wuest im "Heute"-Gespräch. "Den meisten ist danach wohl nach einem Schnaps und Spaziergang", lacht sie.

Die 46-Jährige braucht für ihre eindringliche Darstellung kaum Worte. "Warum gehen wir davon aus, dass Sprache unser primäres Kommunikationsmittel ist?", fragt sie sich. Und tatsächlich ist die Stille ein wichtiges Stilmittel, um die Gefühlswelt aller Protagonistinnen besser begreifbar zu machen. Die Frauen eint – über die Zeit hinweg – ihre Erfahrung von Verlust, Einsamkeit und Grausamkeit.

"Wie eine Familienaufstellung"

"Ich habe mich relativ pragmatisch mit dem Thema Tod beschäftigt. Das Nachstellen hatte aber schon Gewicht, wie eine Familienaufstellung", schildert Wuest, die im Film eine Epoche zeigt, in denen die Toten nicht nur aufgebahrt, sondern auch gemeinsam mit den Lebenden fotografiert wurden. Die Schauspielerin wünscht sich, dass "Sterben in der Gesellschaft einen anderen Platz einnehmen muss. Man sollte das Thema nicht wegsperren, wie Krankheit oder Alter."

Das Set beschreibt die wandelbare Darstellerin trotz des düsteren Inhalts des Films als besonders fröhlich und herzlich. Ein wenig unheimlich war jedoch, dass gleich vier Unfälle während des Drehs passierten, bei denen sich Schauspieler Bein- oder Fußverletzungen zuzogen, wie im Film gezeigt. Auch Wuest fiel eine Kamera auf den Fuß.

Oscar-Chance

Der Schmerz ist inzwischen längst vergessen, nun schaut die 46-Jährige in die Zukunft. Die Chance, mit "In die Sonne schauen" tatsächlich nächstes Jahr einen Oscar zu holen, schätzt Wuest nämlich durchaus realistisch ein. "Ich mache das jetzt seit 30 Jahren, ich habe fast 100 Filme gedreht. So ein brillantes Skript wie dieses kommt nur alle zehn Jahre. Es ist ein Film, der ein langes Leben haben wird. Es ist das erste Mal, dass ich denke, es könnte passieren."

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