Trotz hoher Arbeitslosigkeit stieg die Zahl der Privatinsolvenzen in Wien im ersten Quartal 2026 nur leicht an. Wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) in einer Aussendung berichtet, ist die Schuldenlast allerdings massiv gestiegen.
Insgesamt gab es in Wien im ersten Quartal 924 Privatinsolvenzen (2025: 894), 90 Verfahren wurden abgewiesen (2025: 85), in 834 Fällen wurden Schuldenregulierungsverfahren eröffnet (2025: 809) – ein Plus von 3,09 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Damit bewegen sich die Zahlen zwar über dem Niveau von 2025, bleiben aber deutlich unter den Höchstwerten des Rekordjahres 2019, so der AKV. Aber: Während die Fallzahlen nur moderat wachsen, explodieren die Verbindlichkeiten: Die Gesamtpassiva stiegen von 86,72 Millionen Euro auf 156,35 Millionen Euro an!
Auch die durchschnittliche Verschuldung legte massiv zu und liegt nun bei 187.400 Euro pro Person. Allerdings trieb ein einzelner Fall – die Insolvenz eines geschäftsführenden Gesellschafters einer Immobiliengruppe mit Verbindlichkeiten von rund 54,6 Millionen Euro – die Werte deutlich nach oben.
Ein klarer Trend zeigt sich bei der Geschlechterverteilung: 62,71 Prozent der Privatinsolvenzen betreffen Männer. Auch bei der Schuldenhöhe gibt es große Unterschiede. Bei Männern liegt sie durchschnittlich bei 239.800 Euro, bei Frauen durchschnittlich bei 99.400 Euro. Damit liegt die Verschuldung von Männern mehr als doppelt so hoch wie jene von Frauen.
Die meisten Betroffenen sind zwischen 25 und 59 Jahre alt. Besonders auffällig: In der Gruppe der 25- bis 39-Jährigen liegt die durchschnittliche Verschuldung mit 294.000 Euro am höchsten – besonders sticht in dieser Altersklasse die durchschnittliche Verschuldung der Männer mit 426.400 Euro heraus. Jüngere unter 24 Jahren sind vergleichsweise selten betroffen – hier liegt die durchschnittliche Schuld bei rund 49.600 Euro.
Österreichweit gingen die eröffneten Verfahren leicht zurück (-1,06 Prozent). In Wien bleibt es hingegen bei einem leichten Anstieg. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der AKV mit rund 3.300 Privatinsolvenzen in Wien.
Spannend könnte es im Sommer werden: Am 17. Juli läuft die gesetzliche Regelung für eine dreijährige Befristung des Tilgungsplanes zur Entschuldung für Privatpersonen aus. Sollte diese Regelung nicht verlängert werden, könnte es im zweiten Quartal zu einem Ansturm auf die Gerichte kommen, da viele Schuldner noch von den aktuell günstigeren Bedingungen profitieren wollen.