Die wirtschaftliche Lage in Österreich bleibt angespannt: Zwar sind die eröffneten Firmeninsolvenzen im ersten Quartal 2026 leicht zurückgegangen, doch insgesamt steigt die Zahl der Pleiten weiter an. Grund dafür ist ein massiver Anstieg jener Fälle, die mangels Vermögen gar nicht mehr eröffnet werden können.
Schon die Insolvenzstatistik 2025 zeigte ein düsteres Bild: Nach der Rezession in den Jahren 2023 und 2024 verzeichnete Österreich das dritte Rekordpleitenjahr in Folge. Auch 2026 bringt bislang keine echte Entwarnung, heißt es seitens des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV).
Die heimische Wirtschaft kämpft weiterhin mit einer nur langsamen und fragilen Erholung. Geopolitische Spannungen – insbesondere der Nahost-Konflikt – sowie steigende Energiepreise drücken auf Investitionen und Konsum.
Die Folge: Unternehmen zögern, Aufträge bleiben aus, die Inflation belastet zusätzlich. Diese Rahmenbedingungen spiegeln sich deutlich im Insolvenzgeschehen wider.
In Wien wurden im ersten Quartal 2026 insgesamt 355 Firmeninsolvenzen eröffnet – ein Rückgang von rund 11,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch bleibt das Niveau hoch.
Gleichzeitig explodiert eine andere Zahl: Die sogenannten Insolvenzabweisungen mangels Masse stiegen um über 40 Prozent. In 373 Fällen reichte das Vermögen nicht einmal aus, um ein Verfahren zu finanzieren. Unterm Strich bedeutet das: Die Gesamtzahl der Firmeninsolvenzen (inklusive Abweisungen) ist in Wien um 8,8 Prozent gestiegen. Insgesamt gingen im ersten Quartal 2026 728 Wiener Unternehmen pleite.
Während Jänner und Februar noch leichte Hoffnung machten, brachte der März einen Rückschlag: Mit 137 eröffneten Verfahren lag dieser Monat deutlich über dem Durchschnitt – ein klares Warnsignal für die wirtschaftliche Entwicklung.
Besonders alarmierend: Immer weniger Unternehmen schaffen eine Sanierung. Nur noch 16,9 Prozent der Verfahren endeten mit einem Sanierungsplan – deutlich weniger als in den Vorjahren. Auch die steigende Zahl an Abweisungen kratzt am Image Österreichs, das lange für hohe Sanierungsquoten bekannt war.
Die meisten Insolvenzen gab es in Wien im Bau (97 Fälle), gefolgt vom Handel (82) und der Gastronomie (63). Vor allem die Bau- und Immobilienbranche leidet weiterhin unter hohen Finanzierungskosten und strengen Kreditregeln. Projekte scheitern oft an fehlenden Käufern oder Investoren.
Im Handel setzen steigende Kosten und Online-Konkurrenz die Betriebe unter Druck. In der Gastronomie wiederum führen hohe Energie- und Personalkosten dazu, dass viele Betriebe trotz guter Auslastung keine Gewinne erzielen.
Die Zahl der durch Insolvenzen gefährdeten Arbeitsplätze sank in Wien um rund 16 Prozent auf 735. Dennoch gab es einige größere Fälle – etwa im Handel, Verkehr und in der Hotellerie.
Die Gesamtverbindlichkeiten der Firmeninsolvenzen gingen drastisch zurück – von rund 1,73 Milliarden Euro im Vorjahr auf etwa 383 Millionen Euro. Ein Grund: 2025 war noch stark von Großpleiten im Umfeld der Signa-Gruppe geprägt.
Bei den Privatinsolvenzen zeigt sich ein anderes Bild: Die Zahl der Verfahren stieg nur leicht um 3,1 Prozent. Dafür haben sich die Schulden massiv erhöht: Die Gesamtverbindlichkeiten kletterten auf rund 156 Millionen Euro, die durchschnittliche Verschuldung auf über 155.000 Euro. Ausschlaggebend dafür ist ein spektakulärer Einzelfall: Ein Unternehmer aus der Immobilienbranche meldete Privatinsolvenz mit Schulden von rund 54,6 Millionen Euro an.
Prognosen bleiben schwierig. Der Alpenländische Kreditorenverband rechnet für 2026 in Wien mit rund 1.400 eröffneten Firmeninsolvenzen – nur knapp unter den Rekordwerten der Vorjahre.
Die Gesamtzahl der Insolvenzen dürfte jedoch weiter steigen, da auch künftig viele Verfahren mangels Vermögen gar nicht eröffnet werden können. Auch bei den Privatinsolvenzen wird mit rund 3.300 Fällen gerechnet. Eine gesetzliche Änderung im Sommer könnte allerdings kurzfristig zu einem Ansturm auf die Gerichte führen.