Eine aktuelle Hochrechnung des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV1870) lässt aufhorchen. Demnach waren im ersten Quartal 2026 1.687 österreichische Unternehmen von einer Insolvenz betroffen.
Davon entfielen 638 auf die Bundeshauptstadt. Demnach fand über ein Drittel der heimischen Firmenpleiten in Wien statt. Bereits die letzten Jahre wurden dort steigende Insolvenzzahlen verzeichnet. Gegenüber dem ersten Quartal 2025 ist jedoch ein Rückgang von 7,5 Prozent zu vermelden.
In konkreten Zahlen bedeutet dies, dass es in den ersten Monaten von 2026 um 52 Insolvenzen weniger gab als im Vorjahreszeitraum. Dennoch hatte die Bundeshauptstadt sieben Firmenpleiten pro Tag zu verzeichnen.
Ob nun eine Trendumkehr möglich ist, bleibt abzuwarten. Laut Jürgen Gebauer vom KSV1870 bleibe die Situation herausfordernd. Vor allem der Konflikt im Nahen Osten könne sich auf die Wiener Wirtschaft auswirken.
Besonders dramatisch: Bei 291 Unternehmen (rund 46 Prozent) von den insgesamt 638 Pleiten wurde kein Insolvenzverfahren eröffnet. Die betroffenen Betriebe konnten nämlich nicht einmal mehr die Kosten für die Eröffnung eines Verfahrens vor Gericht abdecken. Besonders für Gläubiger seien solche Fälle schmerzhaft, da sie ihre Forderungen zur Gänze abschreiben müssen.
Die Verbindlichkeiten der in Wien eröffneten Insolvenzfälle seien bei rund 229 Millionen Euro gelegen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeute dies einen Rückgang von 84 Prozent. Dies lasse sich dadurch erklären, dass große Pleiten von Immobilienunternehmen bisher ausblieben. Dennoch finden sich auch im ersten Quartal dieses Jahres zwei Immobilieninsolvenzen in den Top 3.
Die meisten Wiener Unternehmensinsolvenzen hatten jedoch der Handel (105 Fälle) und die Baubranche (89 Fälle) zu verzeichnen. Auch in der Gastronomie gab es 78 Firmenpleiten. Während die Zahlen damit im Handel stabil blieben und in der Baubranche sogar rückläufig waren, gab es in der Gastro einen deutlichen Anstieg von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Dies sei laut Gebauer auf hohe Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten zurückzuführen. Aber auch die herausfordernde wirtschaftliche Gesamtlage und zurückhaltendes Konsumverhalten tragen ihren Teil dazu bei.