Höchster Wert seit 15 Jahren

Schuldenkrise spitzt sich zu – Immer mehr suchen Hilfe

16.145 Menschen haben 2025 erstmals eine staatlich anerkannte Schuldenberatung aufgesucht. Als Ursache gelten Teuerung, Krisen und Arbeitslosigkeit.
Newsdesk Heute
04.03.2026, 12:21
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Die Schuldenberatungen in Österreich sind weiterhin stark ausgelastet. 16.145 Menschen haben 2025 erstmals eine staatlich anerkannte Schuldenberatung aufgesucht – mit Ausnahme des Rekordjahres 2024 ist das der höchste Wert seit 15 Jahren.

Als Hauptgründe nennen Expertinnen und Experten Teuerung, steigende Arbeitslosigkeit und mehrere Krisen gleichzeitig, die besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen unter Druck setzen.

Viele leben unter Existenzminimum

Die finanzielle Lage vieler Betroffener ist äußerst angespannt. Das mittlere Einkommen der Klientinnen und Klienten liegt bei nur rund 1.500 Euro im Monat. Mehr als ein Drittel verdient sogar weniger als das Existenzminimum, das im Vorjahr bei 1.273 Euro für eine alleinstehende Person lag.

Besonders stark betroffen sind Frauen: Vier von zehn Frauen, die eine Schuldenberatung aufsuchen, leben mit einem Einkommen unter diesem Mindestbetrag.

"Das Existenzminimum muss so weit angehoben werden, dass damit ein menschenwürdiges Leben geführt werden kann", fordert Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen.

Zum Vergleich: Die Armutsgefährdungsschwelle lag 2025 bei 1.661 Euro. Menschen mit Lohnpfändung oder im Privatkonkurs müssen daher laut Schuldenberatung zwangsläufig unter dieser Schwelle leben.

Verschärfungen drohen – besonders bei Frauen

Ab Juli 2026 könnte sich die Situation für überschuldete Privatpersonen zusätzlich verschlechtern. Dann läuft eine derzeit geltende Regelung aus, die es ermöglicht, sich innerhalb von drei Jahren zu entschulden. Ohne gesetzliche Verlängerung würde die Dauer wieder mindestens fünf Jahre betragen.

Davon wären vor allem Frauen betroffen. Der Grund: Männer geben deutlich häufiger eine gescheiterte Selbstständigkeit als Ursache ihrer Schulden an – für sie gilt auch künftig eher die kürzere Frist.23 % der Männer nennen eine ehemalige Selbstständigkeit als Überschuldungsgrund, bei Frauen sind es nur 13 %

Besonders problematisch sind laut Schuldenberatung Fälle, in denen Frauen privat für die Selbstständigkeit ihres Partners gebürgt haben. Während der Unternehmer selbst nach drei Jahren schuldenfrei sein könnte, müsste die Bürgin künftig möglicherweise fünf Jahre warten.

Die Fachabteilung im Justizministerium spricht sich bereits für eine dauerhafte dreijährige Entschuldung für alle aus – eine politische Entscheidung steht allerdings noch aus.

Über 56.000 Euro Schulen

Der durchschnittliche Schuldenstand liegt bei 56.432 Euro pro Person. Bei ehemals Selbstständigen ist er deutlich höher und beträgt im Schnitt 105.073 Euro.

Auch zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede: Frauen haben durchschnittlich 46.284 Euro Schulden, bei Männern sind es durchschnittlich 63.354 Euro. Mitterlehner betont jedoch, dass diese Summen meist nicht den ursprünglich aufgenommenen Schulden entsprechen. Ohne Rückzahlung können sich offene Forderungen durch Zinsen und Gebühren etwa alle acht Jahre verdreifachen.

Deshalb fordert die Schuldenberatung erneut eine gesetzliche Begrenzung: Schulden sollen sich ab Fälligkeit maximal verdoppeln dürfen.

"Oft ist der Kosten- und Zinseszins-Effekt schuld an der Überschuldung – nicht die betroffene Person", so Mitterlehner. Zudem rät er Betroffenen, bei finanziellen Problemen möglichst früh eine kostenlose Schuldenberatung aufzusuchen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 04.03.2026, 12:21
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