Wie die spanische Tageszeitung "El País" berichtet, diskutieren tausende junge Marokkaner in WhatsApp- und Facebook-Gruppen über einen möglichen neuen Massenansturm auf Ceuta. Dort kursieren Nachrichten wie "Wir sehen uns am 15." oder "Ich fahre aus Marrakesch in den Norden, um dabei zu sein."
Die Zeitung erhielt Einblick in mehrere Gruppen mit insgesamt Hunderttausenden Mitgliedern. In manchen Chats wird offen darüber gesprochen, wie die Grenze überwunden werden könnte. Andere warnen wiederum davor, dass es sich um Gerüchte oder Fallen von Schleusern handeln könnte.
Nach Einschätzung von Experten könnten die Aufrufe auch gezielt verbreitet werden, um möglichst viele Menschen an die Grenze zu locken. Dort könnten Schleuser ihnen anschließend Plätze auf Schlauchbooten oder anderen Fluchtwegen verkaufen.
Neben den Aufrufen finden sich in den Gruppen auch Fotos vermisster Migranten sowie Diskussionen über besonders gefährliche Fluchtrouten und ungeeignete Schlauchboote.
Österreichs Europa- und Integrationsministerin Claudia Bauer sieht dringenden Handlungsbedarf. Spanien müsse den Grenzschutz in seinen nordafrikanischen Exklaven deutlich verstärken.
„Die aktuellen Aufrufe für den 15. August zeigen, dass diese gefährliche Dynamik nicht vorbei ist. Spanien muss den Grenzschutz massiv aufrüsten und garantieren, dass er dieses Mal auch hält.“Europaministerin Claudia Bauer
Die Ministerin macht zugleich die spanische Regierung mitverantwortlich für die jüngsten Ereignisse. Die angekündigte Vergabe von Hunderttausenden Aufenthaltstiteln habe in Marokko falsche Hoffnungen geweckt.
"Dort kam nur die Botschaft an: Wer es nach Spanien schafft, darf auf einen Aufenthaltstitel hoffen", sagte Bauer. Die juristischen Details seien in Marokko kaum wahrgenommen worden.
Erst vergangene Woche hatten rund 60.000 Migranten die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta überquert oder dies versucht. Dutzende Menschen kamen dabei ums Leben, die meisten Migranten wurden inzwischen wieder nach Marokko zurückgebracht.
Die neuen Aufrufe im Internet nähren nun die Sorge, dass sich die dramatischen Szenen schon in wenigen Tagen wiederholen könnten.