Österreich verliert Tempo

Telekom-Ranking offenbart Schwächen bei Glasfaser

Neue Kearney-Studie zeigt: Österreich liegt im Telekom-Ranking nur im Mittelfeld. Besonders beim Glasfaser-Ausbau hinkt das Land hinterher.
Rene Findenig
29.01.2026, 08:46
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Österreich landet im neuen europäischen Telekom-Ranking nur im Mittelfeld. Die aktuelle Kearney-Studie "European Telecom Health Index 2026" zeigt, dass das Land bei der Digitalisierung noch Nachholbedarf hat, vor allem beim Glasfaserausbau.

Der erstmals erhobene Index bewertet die Telekommärkte von 20 europäischen Ländern in fünf Kategorien: finanzielle Performance, Kommerzialisierung, Netzausbau, Marktumfeld und Kundenzufriedenheit. Österreich erreicht dabei Rang 9 – über dem europäischen Durchschnitt, aber deutlich hinter den Spitzenreitern wie Norwegen, Schweden und der Schweiz.

Die Studie kritisiert besonders die geringe Nutzung moderner Netze. Zwar sind bereits rund 50 Prozent der österreichischen Haushalte und Unternehmen an Glasfaser angeschlossen, tatsächlich nutzen den Anschluss jedoch nur etwa 25 Prozent. Österreich reiht sich damit in ein Cluster mit Deutschland und der Schweiz ein, das Kearney als "Nachzügler" bezeichnet. Die Beratung warnt: Ohne stärkere Nutzung moderner Netze könnte der Markt auf Dauer an Dynamik verlieren.

Solide Zahlen, aber wenig Impuls für Investitionen

Finanziell zeigt sich der Telekommarkt stabil: Österreich erreicht eine Kapitalrendite von rund 15 Prozent, also eine solide Auslastung der bestehenden Infrastruktur. Doch Christoph Neunkirchen, Partner bei Kearney, betont: "Ein stabiler ROCE ist kein Garant für künftige Investitionen. Entscheidend ist, ob sich die nächste Ausbaustufe wirtschaftlich tragen lässt."

Ein weiterer Faktor ist die Struktur des europäischen Markts. Österreichs Drei-Anbieter-System erzielt zwar höhere Margen als Länder mit mehr Wettbewerbern, dennoch hemmt die Fragmentierung in Europa Investitionen. Neunkirchen warnt: "Eine Wettbewerbsfähigkeit auf Augenhöhe wird so erschwert."

Europaweit hoher Investitionsbedarf

Die Befragung von 20.000 Verbraucher:innen zeigt, dass die Wechselbereitschaft in Märkten mit niedriger Glasfaser-Nutzung höher ist. In Ländern mit besserem Netzausbau wechseln Kunden seltener und sind zufriedener – zugleich steigen Umsatz und Rendite pro Kunde.

Bis 2030 werden laut Studie 174 Milliarden Euro Investitionen in digitale Infrastruktur benötigt, um die Gigabit- und 5G-Ziele zu erreichen. Rund 45 Millionen Menschen könnten sonst ohne ausreichende Hochgeschwindigkeitsanbindung bleiben. Für Österreich bedeutet das: Der Markt muss mehr Haushalte und Unternehmen an moderne Netze anschließen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

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