"Wenn ER dir die Nase zeigt, will er einen Kuss"

Der 69-jährige Joie Henney aus Pennsylvania (USA) hat ein besonderes "Hilfstier" als offizielle, emotionale Stütze: Alligator "Wally".

"Wenn er seine Nase zur dir dreht, möchte er ein Küsschen haben", erzählt der 69-jährige Joie Henney, wenn ihn Passanten auf sein schuppiges Haustier ansprechen. Er führt nämlich keinen Hund Gassi, sondern einen eineinhalb Meter langen und sieben Jahre alten Alligator namens "Wally". Damit jedoch noch nicht genug: "Wally" ist ein offiziell registriertes, sogenanntes "Emotionales Hilfstier":

Nach US-amerikanischem Recht ist ein Tier zur emotionalen Unterstützung kein Haustier und wird im Allgemeinen nicht durch Arten eingeschränkt. Es unterscheidet sich allerdings zum "Servicetier" dadurch, dass es nicht speziell geschult wurde, sondern durch seine bloße Anwesenheit Symptome einer psychischen Erkrankung lindert.

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"Er war schon immer anders ..."

Henney betrieb immer schon aktiven Tierschutz und nahm sich einiger Reptilien an, die den Besitzern zu groß geworden waren. Dazu muss man wissen, dass die Haltung von Alligatoren in Pennsylvania ebenso legal ist, wie der Besitz von Schlangen und Leguanen. Er betreut sie eine Weile und sucht gute Plätze in Zoos, oder Wildtierstationen. "Wally" war einer von drei jungen Alligatoren, die ebenfalls "plötzlich" nicht mehr klein und niedlich waren. Zwei konnte Henney in Reptilienauffangstationen nach New York und New Jersey schicken - doch "Wally" sollte bleiben.

Popcorn anstatt Ratten

"Er war einfach anders und verschmähte lebende Ratten auf dem Speiseplan. Käse-Popcorn war ihm viel lieber", so Henney. Wie ein Welpe folgte das Reptil seinem Herrchen durch das ganze Haus - immer friedlich, immer neugierig. "Er genoss es gehalten zu werden und kuschelte über kurz oder lang mit der ganzen Familie, bis er sogar die Couch und das Bett eroberte", lacht der Reptilienfan.

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Emotionales Hilfstier

Als Henney 2017 die erschütternde Diagnose "Prostatakrebs" erhielt, fiel er emotional in ein tiefes Loch. "Wally" jedoch begleitete ihn zu jedem Bestrahlungstermin und heiterte ihn mit seiner bloßen Anwesenheit auf. Als er den "WallyGator" dann - auf Anraten des Arztes -  als "Emotionales Hilfstier" registrieren ließ, begann die Karriere des Reptils. Jedes Jahr muss sich der Kaltblüter aufs Neue registrieren lassen, geht aber sehr gut mit seinem Ruhm um. Er besucht Kinder in Schulen und busselt Senioren im Altersheim. Sogar mit dem Bus ist er schon gefahren, allerdings war dies eine einmalige Sache, da doch sehr viele Menschen erschreckt waren (geh, wo?) ...

Da Alligatoren, vor allem in Gefangenschaft, bis zu 80 Jahre alt werden können, wurden auch schon Vorkehrungen getroffen. Falls der 69-jährige Henney nicht mehr in der Lage sein sollte, sich um "Wally" zu kümmern, wird er in den Besitz eines lieben Freundes übergehen, der ihn vermutlich genauso täglich busselt.

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