Der Betrieb im Raum St. Pölten, der in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen geriet, ist den Behörden schon seit Jahren ein Begriff. Wie "ORF NÖ" berichtet, werde der Hof laut Landesveterinärdirektorin Christina Riedl sehr genau kontrolliert. In der Vergangenheit habe es immer wieder Auflagen und Maßnahmen gegeben. Gegen den früheren Betreiber gibt es bereits ein Tierhaltungsverbot – "Heute" berichtete hier.
Das heißt aber nicht automatisch, dass an diesem Standort keine Tiere mehr gehalten werden dürfen. Ein Tierhaltungsverbot gilt immer für eine bestimmte Person. Die Tierhaltung kann also von jemand anderem übernommen werden, erklärt Riedl. Genau das ist in diesem Fall auch passiert. Die Landesveterinärdirektorin meint, dass hier die "Grenzen des Gesetzes" erreicht sind.
Auch gegen die derzeitige Betreiberin läuft ein Verfahren – die Mängel in dem Betrieb bleiben aber offenbar. Und wirklich handbar wird man der Problematik nicht. Bilder, die dem VGT zugespielt worden waren, zeigen Tiere im Dreck, extrem unterernährt.
Am Donnerstag gab es gegen aus Protest gegen "desaströse Haltungsbedingungen und den gewaltvollen Umgang von hungernden Tieren" einen Demozug direkt vor dem Mastbetrieb.
Laut dem Verein gegen Tierfabriken (VGT) habe im Mai 2023 die Frau des Landwirts offiziell die Tierhaltung übernommen, nachdem gegen ihren Mann das Verbot ausgesprochen wurde. Mittlerweile gibt es aber auch gegen sie ein Verfahren wegen eines möglichen Tierhaltungsverbots. Dieses liegt nach einer Beschwerde aktuell beim Landesverwaltungsgericht Niederösterreich.
Der VGT hat am Mittwoch in einer Aussendung erneut die Kontrollen der Behörden kritisiert. Schon 2022 habe der Verein Missstände in dem Betrieb öffentlich gemacht. Insgesamt wurden laut VGT bisher vier Anzeigen eingebracht.
Der Verein veröffentlichte erneut Aufnahmen, die laut eigenen Angaben aus dem Betrieb im Bezirk St. Pölten stammen. Darauf sollen stark abgemagerte Tiere und Tiere, die bewegungsunfähig am Boden liegen, zu sehen sein. Der VGT fordert, dass die betroffenen Tiere rasch abgenommen werden.
Außerdem erhebt der VGT noch einen weiteren Vorwurf: Obwohl gegen den früheren Betreiber ein Tierhaltungsverbot besteht, soll er weiterhin im Betrieb mitarbeiten. Der Verein beruft sich dabei auf aktuelle Videoaufnahmen. Ein VGT-Mitglied habe den Mann am Dienstag vor Ort mit den Vorwürfen konfrontiert. Dieser habe aber bestritten, im Stall zu arbeiten.
Der VGT kritisiert daher auch die Kontrollen der Behörden. Wenn ein Betrieb regelmäßig kontrolliert werde und trotzdem über Jahre Missstände bestehen, müsse man sich fragen, welche Konsequenzen diese Kontrollen tatsächlich haben.
Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) berichtet über Missstände in einem Mastbetrieb im Bezirk St. Pölten und hat sowohl den Landwirt als auch seine Frau angezeigt. Gegen den Mann besteht nach wie vor ein Tierhaltungsverbot.
Die für den Tierschutz zuständige Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe die sofortige Schließung des Betriebs gefordert. Kritik an Rosenkranz kam von Bauernbundpräsident Georg Strasser (ÖVP). Er betont, dass Österreich eines der strengsten Tierschutzgesetze in der Europäischen Union hat. Dieses würde mehr Möglichkeiten bieten, als in diesem Extremfall zum Schutz der Tiere ausgeschöpft wurden, so Strasser – was wiederum den Ausführungen der Landesveterinärdirektorin widerspricht. Der Ball wird so ein wenig hin und hergespielt, ohne dass wirklich etwas passiert, kritisieren Tierschützer.
2023 ist ein Gerichtsverfahren gegen den Landwirt laut VGT mit einer Diversion beendet worden. Der Verein fordert jetzt, dass eine neue strafrechtliche Prüfung eingeleitet wird.