Die Tierschutzombudsstelle Wien kümmert sich jedes Jahr um rund 1.500 Fälle, wenn es um das Wohl der Tiere in der Stadt geht. Die Bandbreite reicht von Hinweisen auf Missstände, Anträgen für Veranstaltungen mit Tieren bis zu Verletzungen des Tierschutzgesetzes oder Tierhalteverboten. Zum Jahreswechsel hat Eva Persy, die Wiener Tierschutzombudsfrau, fünf besonders bewegende Geschichten aus dem Jahr 2025 ausgewählt, die sie und ihr Team stark beschäftigt haben. Wie die Wiener Ratshauskorrespondenz berichtet, zeigen diese Fälle, wie wichtig Zivilcourage und Aufmerksamkeit sind.
„Die Fälle zeigen leider, dass Unwissen, Verantwortungslosigkeit und Überforderung immer wieder zu großem Tierleid führen“Eva PersyWiener Tierschutzombudsfrau
"Gleichzeitig stimmt es mich froh, dass es so viele empathische Mitmenschen in unserer Stadt gibt, die Handlungsbedarf erkennen und sich für die Tiere einsetzen, indem sie die Polizei, die Behörden oder uns informieren. Dafür möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken", lenkt die Tierschützerin ein.
Im Sommer 2025 wurde ein besonders schwerer Fall von Animal Hoarding in Wien beendet. 18 Hunde wurden aus einer kleinen Wohnung geholt. Die Tiere waren verwahrlost und hatten große Angst. Eine Hündin musste wegen einer alten, unbehandelten Verletzung sogar ein Bein verlieren. "Animal Hoarding ist eine psychische Krankheit, die auch mit entsprechenden Therapien nur schwer in den Griff zu bekommen ist", so Eva Persy. "Bitte hilf den Tieren, indem du rechtzeitig Meldung erstattest, wenn dir so etwas auffällt."
Katzen springen, klettern und jagen, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein. Einer Katze im 10. Bezirk wurde ein ungesichertes Fenster zum Verhängnis und sie fiel aus dem 4. Stock. Das Team des Tierquartiers musste das schwer verletzte Kätzchen bergen, doch der Schaden war bereits so schlimm, dass man die abenteuerliche Katze nur noch einschläfern konnte.
„Jeder Haushalt steckt voll möglicher Gefahren für die geliebten Vierbeiner – ob es die ungesicherten Fenster für die Katzen, bestimmte Lebensmittel für Hunde oder frei zugängliche Kabel für Kleintiere sind. Es ist wirklich wichtig, dass diese erkannt und beseitigt werden, um Leid für Tier und Mensch zu vermeiden“
Der Sturz von Fenster oder Balkon ist für Wiener Wohnungskatzen eine der häufigsten Unfallursachen. Was viele Halter oft unterschätzen: Auch gekippte Fenster können zur tödlichen Falle werden.
Noch immer gibt es Hundehalter, die sogenannte Maulschlaufen verwenden. Diese engen das Maul des Hundes so stark ein, dass Hecheln – für Hunde lebenswichtig zur Abkühlung – nicht mehr möglich ist. Auch trinken können die Tiere so nicht.
"Die leichten Nylon-Schlaufen sind kein vermeintlich praktischer Maulkorb-Ersatz, sondern seit 1. Jänner 2025 verboten", betont Persy. Wer dagegen verstößt, begeht Tierquälerei. Ein Hundehalter in Wien bekam dafür im Juli 2025 eine Strafe von 500 EUR aufgebrummt, nachdem die Polizei ihn angezeigt hatte.
Fische werden oft als Tiere "zweiter Klasse" gesehen – weil viele fälschlicherweise glauben, dass sie keinen Schmerz empfinden können, weil sie nicht schreien. Nach einer Meldung von engagierten Tierschützern wurde ein besonders grausamer Fall beim Verkauf von lebenden Karpfen dokumentiert. Ein Karpfen wurde mit den Fingern in den Augen aus dem Wasserbecken geholt. Der Täter wurde ausgeforscht und bestraft. "Fische sind fühlende Lebewesen und genauso vom Tierschutzgesetz geschützt wie alle anderen Tiere", betont Eva Persy.
Wer beim Einkauf von Fischprodukten Wert auf Tierschutz legt, findet Tipps in der Broschüre "Augen auf beim Fischeinkauf" der Wiener Tierschutzombudsstelle. Der Ratgeber liefert viele Fakten und zeigt, dass Fische genauso Schmerz, Leid und Unbehagen empfinden wie Säugetiere.
Immer öfter landen erschöpfte "Hochzeitstauben" an der Vogelmedizin der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Die Tiere werden zu Hochzeiten freigelassen, finden aber oft nicht mehr nach Hause und irren umher, bis sie – mit Glück – von Vogelkundigen aufgenommen werden.
Eva Persy richtet einen Appell an alle, die eine Hochzeit planen: "Stellen Sie sicher, dass für den ‚schönsten Tag‘ in Ihrem Leben keine Tauben leiden müssen. Teilen Sie Ihrer Familie und Ihren Gästen rechtzeitig mit, dass Sie nicht mit Taubenfreilassungen überrascht werden wollen!"