Am Freitag wird es am Wiener Landesgericht ernst: Ferdi B. (35) muss sich nach den tödlichen Schüssen vom 6. November in einem Ottakringer Kebab-Lokal vor einem Geschworenengericht verantworten. Dem dreifach vorbestraften Türken wird laut der 14-seitigen Anklageschrift Mord und mehrfacher versuchter Mord zur Last gelegt. Im Fall einer Verurteilung droht ihm lebenslang.
Laut Anklage kam es im Restaurant für türkische Grillspezialitäten, das besonders für seine köstlichen Desserts bekannt ist – zu ein Treffen zwischen mehreren Männern wegen eines zwielichtigen Kreditgeschäfts. Der 35-jährige Türke fühlte sich durch einen Serben (55) und dessen Sohn "abgezockt", brachte deswegen eine Beretta 92 , die er zuvor illegal um 1.500 Euro "am Westbahnhof" erworben hatte, mit.
Gegen 21.45 Uhr eskalierte laut Zeugen die Situation völlig – es brach Panik aus wie ein einem Mafiafilm. Im gut besuchten Grill-Lokal war gerade Sütlac, türkischer Milchreis, serviert worden, als Ferdi B. wutentbrannt mit gezückter Waffe hereingestürmt und laut Zeugen fragte, "ob das hier eine Hochzeit" sei. Der Türke soll zunächst am Hinterausgang in Richtung eines Mannes geschossen haben, verfehlte ihn jedoch. Danach traf er einen weiteren Mann im Bauch.
Vor dem Lokal schoss er schließlich auf einen Tschetschenen (33), der als Beschützer mit vor Ort war. Der war auf der Stelle tot. "Ich habe die Tatwaffe danach in den Donaukanal geworfen", gab der Schütze zu, noch am selben Abend in Richtung Türkei geflohen zu sein – angeblich mit dem Taxi und per Anhalter, vermutlich jedoch auf der Ladefläche eines Lkw. Erst nach Monaten klickten dort die Handschellen, als er sich Geld vom Bankomaten abheben wollte.
Zwei Bekannte des tobsüchtigen Türken im Alter von 36 und 40 Jahren sind wegen Beihilfe mitangeklagt – sie waren bei dem verhängnisvollen Treffen in Wien dabei, sollen einen psychischen Tatbeitrag geleistet haben. Ihre Verteidiger Michael Babic von der Kanzlei Rat/Musliu, Astrid Wagner und Michael Dohr bestreiten jedoch jegliche Beteiligung ihrer Mandanten. "Meiner hat sogar g'sagt, um Gottes Willen ...", winkte Dohr gegenüber "Heute" ab.
Dennoch sitzen sie mit dem Hauptangeklagten im selben Boot, auch ihnen drohen lange Haftstrafen. Besonders brisant ist laut Anklage ein Telefongespräch kurz nach der Bluttat: Ferdi B. soll seiner Freundin ganz aufgebracht erklärt haben, dass er "eigentlich alle" habe erschießen wollen. Blöderweise landete der Gesprächsinhalt in den Ermittlungsakten. Dennoch gilt die Unschuldsvermutung.