Ein Österreicher sitzt in Saudi-Arabien im Gefängnis – es geht jetzt um sein Leben. Nach einer Messerattacke in Mekka droht einem 21-Jährigen aus Niederösterreich die Todesstrafe. Ein Prozess hat noch nicht einmal begonnen.
Der Fall ist heikel und für Österreich einzigartig. Noch nie stand ein heimischer Staatsbürger im Ausland so konkret vor einer möglichen Hinrichtung. Und noch nie war unklarer, ob diplomatische Hilfe am Ende reicht – das "Profil" berichtete darüber.
Hasan E. wurde am 11. März 2024 in Mekka festgenommen. Laut saudischen Behörden soll er mit einem Messer einen staatlichen Sicherheitsbeamten attackiert haben. Dabei wurden weitere Personen verletzt. Der Angriff ereignete sich im Umfeld der Al-Haram-Moschee, dem heiligsten Ort des Islam und einem der strengst überwachten Plätze der Welt.
Der damals 20-Jährige wurde noch vor Ort überwältigt. Wenig später erfolgte die Überstellung in das Hochsicherheitsgefängnis Dhahban nahe Dschidda, wo er bis heute in Haft sitzt. Für Hasan E. gilt die Unschuldsvermutung.
Nach offiziellen Angaben gab es bislang nur Vorverhandlungen. Eine Anklageschrift liegt nicht vor, ein Termin für den Prozess ist unbekannt. Dennoch ist die Lage ernst: Auf Delikte wie versuchten Mord, Terrorismus oder "Krieg gegen den Staat" steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe.
Bei einem Besuch eines österreichischen Botschaftsmitarbeiters fragte Hasan E. laut Besuchsbericht: "Werde ich wirklich hingerichtet?" Er bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet sie als konstruiert.
Das Außenministerium bestätigt, dass die österreichische Botschaft in Riad seit der Festnahme mit Hasan E. in Kontakt steht. Es gab Haftbesuche sowie Gespräche mit der Familie und den saudischen Behörden.
"Der Betroffene hat einen Pflichtverteidiger. Das Strafverfahren läuft noch, die Botschaft bemüht sich um regelmäßige Prozessbeobachtung", heißt es aus dem Außenministerium. Weitere Details werden nicht genannt.
Ob diplomatischer Druck die Todesstrafe verhindern kann, ist offen. Klar ist nur: Der Ausgang des Verfahrens liegt nicht in österreichischer Hand.
Für Hasan E. zählt jeder Tag. Denn am Ende geht es nicht um Schuld oder Unschuld allein – sondern um die Frage, ob ein Österreicher im Jahr 2026 in Saudi-Arabien hingerichtet wird oder nicht.