Spiele-Test

"Toll Booth Simulator" – Dieser Job eskaliert komplett

Ein Job in der Mautstelle klingt ruhig. Doch im "Toll Booth Simulator" gerät alles außer Kontrolle – irgendwann verläuft sich der Simulator im Chaos.
Rene Findenig
04.05.2026, 14:37
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Du startest in "Toll Booth Simulator" von Entwickler SifDev (für PC auf Steam) mit einer klaren Aufgabe. Autos kommen, du kassierst Geld, hebst die Schranke und lässt sie passieren. Mehr braucht es am Anfang auch nicht. Das Spiel setzt dich an eine einsame Mautstation mitten in der Wüste und lässt dich genau das tun, was der Titel verspricht. Doch schon nach kurzer Zeit merkst du, dass dieser Job nur der Einstieg ist. Zu einer absurden Geschichte kommen immer mehr Aufgaben – und irgendwann verliert sich das Spiel in Wahnsinn und Chaos.

Die Handlung ist schnell erklärt, eine wirkliche Geschichte gibt es nämlich nicht. Du hast Schulden und bist knapp dem Gefängnis entkommen, jetzt musst du sie abarbeiten. Statt aber ein tiefgehender Simulator zu sein, der die tatsächliche Arbeit in einer Mautstation zeigt, gleitet das Spiel schnell ins Absurde ab. Zum Pässe überprüfen, Zahlungen kassieren und Schranken öffnen kommt schnell der Anbau von Früchten, das Mixen von Cocktails, der Verkauf von Snacks und Erfrischungen und wilde Fluchtversuche vor der Polizei hinzu.

Plötzlich wächst Obst neben der Schranke

Könnte witzig sein, ist es aber nur bedingt – alles wirkt mittel- und langfristig wie ein Bruch mit der Idee, für die der Simulator eigentlich stehen sollte. Und Späße, etwa ein abgestürztes UFO mit einer Gießkanne zu löschen, sind einmal witzig, dann aber abgenutzt. Während du noch damit beschäftigt bist, Geld anzunehmen und Fahrzeuge abzufertigen, öffnet das Spiel immer neue Baustellen. Du beginnst, Pflanzen anzubauen. Du erntest Früchte. Du mischst Getränke und verkaufst sie an Fahrer. Das Problem ist nicht, dass es mehr zu tun gibt.

Das Problem ist, wie schnell sich das Spiel von seiner ursprünglichen Idee entfernt. Der Alltag an der Mautstelle wird plötzlich nur noch ein Teil von vielen. Was als Simulation beginnt, entwickelt sich zu einer Mischung aus Aufbau, Experiment und teils völlig absurden Einfällen. Und offenbar ist es das Ziel des Spiels, Runde für Runde einfach in Wahnsinn und Chaos zu enden. Genau hier liegt eine der größten Schwächen. Statt eines klaren Spielflusses entsteht ein Gefühl von Durcheinander. Das Spiel will vieles gleichzeitig sein und verliert sich dabei.

Feuer, Außerirdische, Waffenhandel, Hehlerei

Immerhin: Was viele Spieler als völlig chaotisch empfinden, scheint den Geschmack anderer getroffen zu haben. Der "Toll Booth Simulator" zeigt einige recht positive Bewertungen und auf Plattformen wie Twitch und YouTube sind "Let's Plays" des Games ein Renner. Das Spiel lebt davon, die Spieler ständig zu überraschen. Du kassierst nicht nur Geld, sondern entscheidest auch, wer durch darf und wer nicht. Gleichzeitig passieren Dinge, die mit einer klassischen Mautstelle wenig zu tun haben – Feuer, Außerirdische, Waffenhandel, Hehlerei.

Du wirst in Situationen geworfen, die sich kaum vorhersehen lassen. Mal läuft alles ruhig, dann überschlagen sich die Ereignisse. Fahrzeuge kommen schneller, Aufgaben stapeln sich, neue Systeme greifen ineinander. Das zeigt sich auch daran, dass laut Entwickler Updates nötig waren, um Systeme zu überarbeiten und besser zusammenzuführen. Das deutet darauf hin, dass die ursprüngliche Struktur nicht ganz aufgegangen ist. Herausgekommen ist eine absurde Unterhaltung irgendwo zwischen Simulation und komplettem Kontrollverlust.

Wirkt wie ein Nebeneinander von Ideen

Ein zentraler Punkt, der sich durch das ganze Spiel zieht, ist dieser ständige Wechsel. Du bist einerseits in einer ruhigen Arbeitsroutine gefangen. Andererseits wirst du immer wieder in chaotische Situationen geworfen. Dieser Kontrast kann spannend sein. Gerade am Anfang sorgt er dafür, dass du dranbleibst. Du willst wissen, was als Nächstes passiert. Doch mit der Zeit wirkt dieser Wechsel weniger wie ein bewusstes Design und mehr wie ein Nebeneinander von Ideen. Die Simulation verliert an Gewicht, während die absurden Elemente dominieren.

Das Ergebnis ist ein Spiel, das schwer einzuordnen ist. Es ist kein reiner Simulator, aber auch kein klares Actionspiel. Auch optisch zeigt sich, dass hier kein großes Studio dahintersteht. Die Grafik ist funktional, aber nicht auffällig. Fahrzeuge, Umgebung und Figuren erfüllen ihren Zweck, ohne Eindruck zu hinterlassen. Das passt zwar zur einfachen Grundidee, verstärkt aber gleichzeitig den Eindruck, dass vieles unfertig wirkt. Technisch läuft das Spiel grundsätzlich stabil, benötigt mindestens 8 GB RAM und eine ältere Grafikkarte wie eine GTX 960.

Motivation auf lange Sicht mit Fragezeichen

Die große Frage ist am Ende: Warum spielst du weiter? Das Ziel, Schulden abzubezahlen, ist vorhanden. Doch der Weg dorthin wirkt oft unklar. Du erledigst Aufgaben, verdienst Geld, probierst neue Dinge aus. Aber ein klarer Fortschritt oder eine starke Entwicklung fehlt. Gerade weil das Spiel so viele Systeme gleichzeitig nutzt, verliert es etwas den Fokus. Du arbeitest dich durch den Alltag, aber ohne klare Höhepunkte. Fazit: Interessante Idee, aber kein klarer Plan

"Toll Booth Simulator" fällt auf. Ein Spiel über eine Mautstation klingt zunächst langweilig, wird hier aber bewusst aufgebrochen. Das Problem ist, dass es dabei nicht bei einer klaren Vision bleibt. Stattdessen entsteht ein Mix aus Simulation, Chaos und vielen kleinen Ideen, die nicht immer zusammenpassen. Du bekommst einen ungewöhnlichen Titel, der dich überrascht, aber auch verwirrt. Ein Spiel, das anders ist, aber nicht immer weiß, wohin es will.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 04.05.2026, 14:37
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