Der erste Eindruck von "Priest Simulator: Vampire Show" (neu auch auf der PlayStation 5) ist einer, der hängen bleibt. Nicht, weil hier alles besonders rund läuft, sondern weil das Spiel von Anfang an zeigt, dass es sich wenig um Geschmack und Religion schert. Du schlüpfst in die Rolle eines vampirischen Priesters, der so gar nicht dem entspricht, was man erwartet. Statt Besinnlichkeit und Ruhe gibt es Chaos, Alkohol, Gewalt und absurde Situationen, die oft zwischen schwarzem Humor und blankem Unsinn pendeln. Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass hier keine klassische Simulation wartet, sondern eine Provokation in Spielform.
Die offene Spielwelt ist klein gehalten, wirkt aber lebendig genug, um dich immer wieder in neue, schräge Situationen zu werfen. Du erledigst Aufgaben, die oft wenig mit dem Priesterberuf zu tun haben. Stattdessen kämpfst du, trinkst, sammelst Geld und versuchst, irgendwie Ordnung in das Durcheinander zu bringen, das du selbst verursachst. Das Spiel nutzt eine Art Mockumentary-Stil, also so, als würde ein Kamerateam das Geschehen begleiten. Immer wieder wirst du aus dem Spiel gerissen, weil Kommentare eingeblendet werden oder Figuren quasi "interviewt" werden. Das wirkt am Anfang ungewohnt, teilweise sogar witzig.
Du spielst Orlok, einen Vampir, der aus der Hölle kommt. Nach einem missglückten Versuch, von dort zu entkommen, landet er in der realen Welt, genauer in einem kleinen Dorf namens San de Ville. Dort läuft sofort alles schief. Durch eine Reihe absurder Ereignisse wird Orlok seiner Kräfte beraubt und landet – mehr oder weniger unfreiwillig – in der Rolle eines Priesters. Dein eigentliches Ziel ist simpel formuliert, aber chaotisch umgesetzt: Du willst deine vampirischen Fähigkeiten zurückbekommen und wieder in die Hölle zurückkehren. Dafür musst du dich durch das Dorf arbeiten, das von zwei Gruppen geprägt ist – den "Christianists" und den "Shatanists".
Beide Seiten sind überspitzt dargestellt, und genau daraus zieht das Spiel seinen Humor. Was auf dem Papier nach einer klaren Geschichte klingt, zerfasert im Spielverlauf immer wieder. Die Handlung springt, neue Figuren tauchen auf und verschwinden, und oft hast du das Gefühl, dass mehr improvisiert als erzählt wird. Es gibt zwar einzelne Wendungen und sogar Momente, die überraschend emotional sein wollen, doch diese wirken nicht immer verdient. Dabei fällt sofort auf, dass das Spiel bewusst überzeichnet ist. Figuren sprechen übertrieben, Situationen eskalieren schnell, und nichts wird wirklich ernst genommen.
Der Humor trifft nicht immer, wirkt manchmal zu gewollt. Szenen ziehen sich, Pointen verpuffen, und was anfangs noch frisch wirkt, nutzt sich mit der Zeit ab. Du merkst schnell, dass das Spiel stark auf Wiederholung setzt. Aufgaben ähneln sich, Abläufe bleiben gleich, und echte Abwechslung ist rar. Beim Gameplay wiederum zeigt sich dann, was das Spiel wirklich sein will: ein Mix aus Ego-Shooter, Sandbox und skurriler Simulation. Der Kern ist das Kämpfen. Du steuerst das Spiel aus der Ego-Perspektive und kannst gleichzeitig zwei Waffen benutzen – eine in jeder Hand. Insgesamt stehen dir acht unterschiedliche Waffen zur Verfügung.
Diese reichen von klassischen Nahkampfwaffen bis zu Schusswaffen, dazu kommen spezielle Fähigkeiten, die du situativ einsetzt. Das Problem dabei: Die Kämpfe fühlen sich oft ungenau an. Treffer wirken nicht immer nachvollziehbar, Gegner reagieren teilweise verzögert, und insgesamt fehlt es an Gewicht. Das führt dazu, dass Kämpfe eher chaotisch als spannend wirken. Neben dem Kämpfen gibt es mehrere Systeme, die parallel laufen. Du sammelst Ressourcen, indem du die Umgebung zerstörst oder Aufgaben erledigst. Müll wird zerlegt, Materialien werden eingesammelt, und daraus baust du deine Kirche wieder auf.
Diese Kirchen-Renovierung ist ein zentraler Teil des Spiels. Du kaufst Baupläne, verbesserst Gebäude und schaltest neue Funktionen frei, etwa Beichten oder Predigten. Dadurch steigt dein "Glaubenslevel", was wiederum neue Möglichkeiten eröffnet. Gleichzeitig kümmerst du dich um die Bewohner des Dorfes. Viele sind von dämonischen Kräften besessen, und du führst Exorzismen durch. Diese sind spielerisch eher simpel, aber sie geben dem Spiel zumindest eine klare Aufgabe. Ein weiteres System sind Upgrades. Statt klassischer Erfahrungspunkte nutzt das Spiel unter anderem "Black Metal"-Kassetten, um deine Ausrüstung zu verbessern.
Das passt zum schrägen Ton, wirkt aber spielerisch austauschbar. Das größte Problem beim Gameplay ist die Mischung aus all diesen Ideen. Das Spiel will gleichzeitig Shooter, Aufbau-Spiel, Satire und Chaos-Sandbox sein. Dadurch fühlt sich nichts wirklich fertig an. Ein Beispiel dafür sind Aufgaben, die stark auf Zufall setzen. Du musst etwa Geld im Spiel verdienen und Glücksspiele nutzen, um weiterzukommen. Das kann frustrieren, weil Fortschritt nicht nur von deinem Können abhängt, sondern auch vom Zufall. Auch die Struktur der Missionen ist oft repetitiv. Du kämpfst, sammelst, baust aus, wiederholst. Neue Ideen kommen zu selten dazu.
Der "Priest Simulator: Her Ghost"-DLC setzt genau hier an und versucht, mehr Fokus in die Handlung zu bringen. Im Zentrum steht eine neue Geschichte rund um eine zusätzliche Figur, die stärker emotional aufgeladen ist. Der Ton wird stellenweise ernster, ruhiger, fast schon melancholisch. Das fällt sofort auf, weil es im starken Kontrast zum Hauptspiel steht. Du verbringst mehr Zeit mit klar strukturierten Aufgaben, die stärker miteinander verbunden sind. Statt nur Chaos abzuarbeiten, gibt es hier eher das Gefühl, auf ein Ziel hinzuarbeiten. Das hilft der Erzählung. Auch spielerisch bleibt vieles gleich, aber es wirkt etwas konzentrierter.
Kämpfe, Interaktionen und Aufgaben greifen besser ineinander. Trotzdem bleibt das Grundproblem bestehen: Die Mechaniken sind dieselben wie im Hauptspiel. Der DLC erweitert das Spiel, aber er verändert es nicht grundlegend. Nach wenigen Stunden bist du durch, und das Gefühl bleibt, dass hier mehr möglich gewesen wäre. Unterm Strich zeigt sich in Handlung und Gameplay ein klares Bild: "Priest Simulator: Vampire Show" ist ein Spiel voller Ideen, aber ohne klare Linie. Die Geschichte ist ungewöhnlich, aber oft chaotisch. Das Gameplay ist abwechslungsreich gemeint, wirkt aber überladen.
Bei der Spielzeit zeigt sich schnell, dass die Erweiterung und das Hauptspiel eher auf kürzere, wiederholte Spielsitzungen ausgelegt sind als auf ein langes, durchgehend motivierendes Erlebnis. Das Hauptspiel bietet mehrere Stunden Inhalt, wobei die genaue Dauer stark davon abhängt, wie intensiv du Nebenaufgaben verfolgst. Wer sich nur auf die Hauptaufgaben konzentriert, kommt relativ zügig voran. Wer alles sehen will, bleibt länger im Spiel, muss aber auch mehr Wiederholungen in Kauf nehmen. Der DLC erweitert die Spielzeit um einen überschaubaren Zusatz, der eher wie ein abgeschlossener Story-Abschnitt wirkt.
Im direkten Vergleich zwischen Hauptspiel und DLC wird deutlich, wie stark beide voneinander abhängig sind. Das Hauptspiel setzt auf Chaos, Übertreibung und ständige Abwechslung, verliert dabei aber oft den roten Faden. Der DLC versucht, genau diesen roten Faden nachzuliefern, bleibt aber inhaltlich zu begrenzt, um das Gesamtbild nachhaltig zu verändern. Interessant ist, dass beide Teile unterschiedliche Erwartungen bedienen. Das Hauptspiel richtet sich eher an Spielerinnen und Spieler, die absurde Situationen und unkonventionelles Gameplay suchen. Der DLC hingegen wirkt fast so, als böte er mehr Struktur und emotionale Bindung.
Auch die Motivation im Spielverlauf ist ein kritischer Punkt. Anfangs trägt die ungewöhnliche Prämisse noch stark durch die ersten Stunden. Du willst wissen, wie sich diese absurde Welt weiterentwickelt, wie sich dein Charakter verändert und wohin die Geschichte führt. Doch je länger du spielst, desto stärker wird deutlich, dass viele Systeme auf Wiederholung ausgelegt sind. Aufgaben ähneln sich, Abläufe kehren regelmäßig zurück, und echte Überraschungen werden seltener. Das führt dazu, dass die anfängliche Neugier langsam nachlässt. Der DLC kann diesen Effekt nur teilweise abfedern, denn die grundlegende Struktur bleibt gleich.
Im Endeffekt bleibt der Eindruck eines Spiels, das viel will, aber nicht alles konsequent zu Ende führt. "Priest Simulator: Vampire Show" lebt von seiner absurden Grundidee und einzelnen starken Momenten, verliert sich aber oft in Wiederholung und technischen Unsauberkeiten. Der DLC "Priest Simulator: Her Ghost" ergänzt das Ganze um neue Perspektiven, schafft es aber nicht, die Schwächen zu lösen. Wenn du dich auf das Spiel einlässt, bekommst du ein ungewöhnliches Erlebnis mit schrägen Ideen. Wenn du jedoch Struktur, sauberes Gameplay und stimmige Präsentation erwartest, wirst du immer wieder aus dem Erlebnis herausgerissen.