Was in einer kleinen Grazer Werkstätte begann, wird heute in Seiersberg bei Graz fortgeführt: Die Harmonikaerzeugung Strasser feiert 2026 ihr 100-jähriges Bestehen.
Der Familienbetrieb wird mittlerweile in dritter Generation geführt und beschäftigt rund 20 Mitarbeiter.
Die Geschichte des Unternehmens begann 1926 mit Anton Strasser. Nach einer Kriegsverletzung musste er sich beruflich neu orientieren. Er erlernte das Handwerk des Harmonikabauers und eröffnete anschließend eine eigene Werkstätte in Graz.
Auch die wirtschaftlich schwierigen Jahre und der Zweite Weltkrieg konnten den Betrieb nicht dauerhaft stoppen. Strasser entwickelte sich weiter und machte sich mit seinen Instrumenten zunehmend einen Namen.
1956 starb Firmengründer Anton Strasser überraschend. Zunächst übernahm seine Frau die Verantwortung für das Unternehmen, später ging die Leitung an den gemeinsamen Sohn Ernst Strasser senior über.
Unter seiner Führung begann eine neue Wachstumsphase. Neben dem traditionellen Handwerk spielten auch technische Verbesserungen und die Weiterentwicklung der Instrumente eine immer größere Rolle.
In den 1970er-Jahren trat schließlich Ernst Strasser junior in den Betrieb ein. Er absolvierte dort seine Ausbildung und begann, sowohl das Aussehen als auch die Technik der Steirischen Harmonika zu verändern.
Bis dahin folgten viele Instrumente einem eher traditionellen Erscheinungsbild. Strasser setzte dagegen zunehmend auf neue Farben, Formen und Materialien. Dadurch fand die Harmonika auch außerhalb der klassischen Volksmusik ein größeres Publikum.
Die Instrumente kamen verstärkt in der Schlager- und Popmusik zum Einsatz. Gleichzeitig arbeitete das Unternehmen weiter an der Mechanik. Zu den Entwicklungen zählen eine überarbeitete Bassmechanik und die patentierte SKL-Mechanik. Die Abkürzung steht für "Strasser Konus Lagerung".
Diese technischen Lösungen werden nach Angaben des Unternehmens bis heute bei der Fertigung eingesetzt.
Seit dem Jahr 2000 befindet sich die Produktionsstätte in Seiersberg bei Graz. Auf einer Fläche von rund 1.200 Quadratmetern entstehen dort die einzelnen Instrumente. Die Arbeit reicht vom Bau des Gehäuses und der Mechanik über die Lackierung bis zur abschließenden Stimmung. Dabei verbindet der Betrieb maschinelle Fertigung mit traditioneller Handarbeit.
Rund 20 Beschäftigte arbeiten derzeit an den Harmonikas. Ein großer Teil der Herstellung findet direkt am steirischen Standort statt. Das über Jahrzehnte weitergegebene Wissen spielt dabei ebenso eine Rolle wie moderne technische Verfahren.
Auf Strasser-Harmonikas haben nach Angaben des Unternehmens mehrere Generationen von Musikern ihre ersten Stücke gelernt. Die Instrumente werden heute bei Veranstaltungen, in Ensembles sowie auf Bühnen im In- und Ausland gespielt.
Musikalisch ist ihr Einsatz nicht auf klassische Volksmusik beschränkt. Die Bandbreite reicht von Stub’nmusi und Schlager bis zu Pop und klassischen Stücken. Damit hat sich auch das Bild der Steirischen Harmonika verändert.
Aus dem traditionellen Instrument wurde im Lauf der Jahrzehnte ein Begleiter für sehr unterschiedliche Musikrichtungen.
Der Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist für den 7. November geplant. An diesem Tag findet in der Schwarzl-Halle in Premstätten eine große Strasser-Gala statt.
Zusätzlich bringt das Unternehmen anlässlich seines 100-jährigen Bestehens zwei eigens gestaltete Jubiläumsharmonikas heraus. Die Sondermodelle erhalten eine spezielle Ausstattung und sollen an die lange Geschichte des steirischen Betriebs erinnern.
Für Firmenchef Ernst Strasser junior und sein Team ist das Jubiläum jedoch nicht nur ein Blick zurück. Der Familienbetrieb will auch künftig neue technische Ideen mit dem traditionellen Harmonikahandwerk verbinden. Damit geht eine Firmengeschichte weiter, die vor 100 Jahren in einer kleinen Grazer Werkstätte ihren Anfang nahm.