"Bald gibt es keine Trafiken mehr!" Karin B. (60, Name von der Redaktion geändert) sagt das ohne Übertreibung. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie eine Trafik im ersten Bezirk. Was sich für viele nur wie ein paar Cent mehr anfühlt, ist für sie ein Dauerproblem – und für ihre Kunden ein ständiger Aufreger.
In Österreich gilt Rauchen nach wie vor als weit verbreitet: Fast jede und jeder Fünfte greift regelmäßig zur Zigarette. Doch seit Jahren steigen die Preise spürbar – und der Unmut wächst. Kostete eine Packung Marlboro Red 2016 noch rund 4,60 Euro, liegt der Preis 2026 bereits bei rund 7 Euro. "Ich glaube nicht, dass wegen der höheren Preise weniger geraucht wird. Die Leute regen sich auf – aber sie hören nicht auf", sagt ihr Mann.
Der Grund für die ständigen Preissprünge liegt in der Tabaksteuer. Diese wird vom Staat festgelegt und seit Jahren schrittweise erhöht. Die Tabakkonzerne zahlen diese Steuer – geben die Mehrkosten aber direkt an die Konsumenten weiter.
Das heißt: Steigt die Steuer, steigen kurz darauf die Preise in der Trafik. Je nach Marke sind das oft 10, 20 oder sogar 40 Cent pro Packung. Für viele Raucher wirkt das wie eine Endlosschleife. Kaum hat man sich an einen Preis gewöhnt, folgt schon die nächste Erhöhung. "Die Leute verstehen oft gar nicht, warum es schon wieder teurer wird", sagt Karin B. "Sie glauben, wir drehen an der Preisschraube – dabei haben wir damit nichts zu tun."
Die Reaktion vieler Kunden sei längst sichtbar. "Viele fahren nach Tschechien oder Ungarn und kaufen dort gleich drei Stangen", sagt der Trafikant. Das lohne sich trotz Fahrtkosten. Die Qualität sei zwar schlechter, "aber Hauptsache, die Leute können weiter rauchen und das günstig!"
Andere greifen bewusst zum Schwarzmarkt. "Der ist jetzt schon sehr stark", warnt er. "Jede weitere Preiserhöhung wird ihn noch stärker machen." Karin B. bestätigt das aus dem Alltag: "Illegale Zigaretten sind qualitativ viel schlechter. Man merkt das oft schon am Geruch." Trotzdem werde zugegriffen. "Den Menschen ist das egal. Hauptsache, sie kommen zum Rauchen."
Von den steigenden Preisen profitieren die Trafikanten selbst nicht. "Die Preise steigen, aber wir haben nichts davon", sagt Karin B. Stattdessen nehmen Diskussionen zu. "Der Ärger landet bei uns an der Kassa – wir müssen es erklären und aushalten."
Auch wirtschaftlich werde es immer enger. "Alles wird teurer – Miete, Energie, laufende Kosten", schildert sie. "Unsere Situation wird damit nicht besser." Langfristig sehen beide den gesamten Berufsstand gefährdet. "Wenn das so weitergeht, wird es irgendwann keine Trafiken mehr geben", sagt Karin B.
Zusätzlich kämpft das Ehepaar mit eigenen Problemen. Ihre Trafik liegt direkt neben einer Baustelle, die seit Langem massive Umsatzeinbußen verursacht. "Ich kämpfe schon lange um einen anderen Standort", sagt Karin B. Dieser sei ihr jedoch unter anderem wegen ihres Alters nicht ermöglicht worden. "Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als mich durch die letzten Jahre irgendwie durchzukämpfen."
Die Belastung sei enorm. "Man trägt jeden Tag den Frust der Kunden mit", sagt sie. Ihr Fazit ist eindeutig: "Von diesen Preiserhöhungen profitiert niemand."