"Wer Gerri nicht kennt, kennt Wien nicht" schrieb die Straßenzeitung "Augustin" im September 2019. Nun ist mit dem Tod von Gerri Geiger der Stadt ein echtes Wiener Original verloren gegangen.
Der Straßenzeitungs-Verkäufer war in Ottakring, besonders rund um den Yppenplatz (dort wurde auch ein Schablonenbild von ihm auf die Wand gesprüht, Anm.), und auch in den angrenzenden Lokalen fast schon eine Berühmtheit. Seiner früheren Punk-Zeit huldigte er mit seiner Jacke, die zahlreiche Buttons und Sicherheitsnadeln zierten. Dazu trug er zahlreiche Armreifen und ein Schirmkapperl.
Wie der "Kurier" berichtet, verkaufte Geiger seit der Jahrtausendwende die Straßenzeitung. Typisch seine Einleitungsworte: "Hallo, einen 'Augustin'?". Wie er selbst berichtete, stammte er aus einem Dorf bei St. Pölten. Er kam nach Wien, wurde Punk und geriet mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt.
Danach folgten Schulden, mehrere Jahre Obdachlosigkeit und schließlich erkrankte Geiger – ein glühender Wiener Sport-Club-Fan – auch noch an Leukämie. Doch mit dem Verkauf der Straßenzeitung konnte er sich eine gewisse finanzielle Basis aufbauen und erhielt auch eine Gemeindewohnung.
Die Nachricht von Geigers Tod wurde von der Ottakringer Bezirksvorsteherin Stefanie Lamp (SPÖ) per Instagram verbreitet: "Mich tröstet, dass Gerri wusste, wie viel er dieser Stadt, der Gürtelszene, den Menschen in Ottakring und Hernals bedeutet hat. Mich tröstet auch, dass er ohne Kompromisse sein Leben abseits der Norm gelebt hat, und dieses Leben unsere Nachbarschaft bereichert hat – sei es in den Gürtel-Beisln, am Yppenplatz oder auf der Sportclub-Friedhofstribüne. Gerri hat dazu gehört, zu uns gehört. Sein Tod reißt eine Lücke in unseren Bezirk. Er wird uns sehr fehlen", schreibt Lamp.
Auf Instagram kommentierten zahlreiche User, sprachen ihr Beileid aus: "Ich hab' mich immer nett mit ihm unterhalten und mich gefreut, wenn ich ihn gesehen habe" oder "Er bleibt in unseren Herzen. Wir vermissen ihn". In Erinnerung wird Geiger auch mit dem Film-Porträt "Auf da Stroßn" bleiben, das 2020 von einer Studentin der Filmakademie Wien geschaffen wurde.