Schweigsam zum Ziel

"Traum von Gold lebt": So will Vonn das Wunder schaffen

Lindsey Vonn schweigt, alle anderen reden. In Cortina wird gewartet, interpretiert und improvisiert – auf der Strecke wie an der Bushaltestelle.
Georg Steinschnack
07.02.2026, 07:52
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
olympia live
olympia live

Es war wohl das größte Fragezeichen vor diesen Olympischen Spielen. Vor etwas mehr als einer Woche riss sich Lindsey Vonn bei einem Sturz in Crans-Montana das Kreuzband im linken Knie. Und doch will sie hier unbedingt an den Start gehen. Ihre erste Fahrt im zweiten Training – nachdem das erste abgesagt worden war – wirkte entsprechend abwartend. Ein passendes Wort für diese Spiele. Denn gewartet wird hier viel.

Weil die geplante Seilbahn weiterhin nicht in Betrieb ist, setzt man nun voll auf Shuttlebusse. Diese sollten im 20-Minuten-Takt verkehren, kommen aber unzuverlässig und lassen einen nicht selten 40 Minuten stehen. Zur Freude jener Freiwilligen, die auffallend hilfsbereit sind – und den Unmut der wartenden Journalisten abbekommen, obwohl sie am wenigsten dafür können.

Svindal als Pressesprecher

Im Zielraum angekommen strahlte die Sonne, auf der Strecke hing dichter Nebel. Mehr als eine Stunde lang warteten die Beobachter auf die Fahrt der US-Amerikanerin. Auch das passte zu diesen Spielen. Lindsey Vonn bestand den Härtetest vorerst. Nicht mühelos, nicht ohne sichtbare Einschränkungen. Vor allem in den Rechtskurven der ungewöhnlich weichen Piste war der 41-Jährigen die Vorsicht anzumerken. Am Ende reichte es mit 1,39 Sekunden Rückstand auf Teamkollegin Jacqueline Wiles zu Rang elf.

Sprechen wollte sie nach dem Rennen nicht. Wie zuvor verkündet, entzog sich Lindsey Vonn den Medien. Stattdessen übernahm Aksel Lund Svindal, Ski-Legende und seit August 2025 ihr Trainer, die Rolle des Erklärers. Er zeigte sich zufrieden mit der Fahrt: "Es hat links und rechts symmetrisch ausgeschaut. Sie hat nie Angst ums Knie gehabt, nie um die Stabilität gefürchtet. Und das ist das Wichtigste."

ÖSV-Damen bleiben gelassen

Ein besonderes Merkmal der olympischen Strecke sind die zahlreichen Wellen, deutlich mehr als im Weltcup. Für ein angeschlagenes Knie sind sie alles andere als ideal. Vonn fuhr den unteren Teil daher – wie viele ihrer Kolleginnen – vorsichtiger. Auch das ordnete Svindal ein. Die Wellen unten seien für alle schwierig, sagte er, entscheidend sei gewesen, "dass sie sich gut gefühlt hat. Der Traum von Gold lebt."

Trotz der wortkargen Vonn gab es an diesem Tag in der Mixed Zone gefühlt kein anderes Thema als die US-Amerikanerin. ÖSV-Läuferin Mirjam Puchner, mit ihrer Fahrt sichtbar unzufrieden und am Ende auf Rang 21 (+2,27), zeigte sich vom Verhalten der 41-Jährigen unbeeindruckt: "Man darf in ihr Verhalten nicht zu viel hineininterpretieren. Wichtig ist, dass man bei sich bleibt." Ähnlich sah es Teamkollegin Ariane Rädler, die Vierte wurde (+1,02): "Sie wird sicher ihren Plan haben. Ich meine, sie ist Lindsey Vonn – wenn es wer schafft, dann sie." Ob Vonn vor dem Rennen am Sonntag noch das dritte Training bestreiten wird, ließ sie offen.

Offen blieb an diesem Tag auch die Frage, ob nach der mühsamen Auffahrt zumindest die Rückfahrt besser funktionieren würde. Die Antwort lautete: Jein. Der Shuttle kam rasch, doch ebenso rasch machte sich ein beißender Geruch breit. Ein ORF-Kollege lieferte die schnelle Diagnose: "Der hat ihm die Kupplung zertreten." Kurz darauf mussten alle wieder aussteigen. Warten auf den nächsten Shuttle, zurück ins Zentrum von Cortina. Die Olympischen Spiele als Wettlauf gegen die Zeit. Nicht nur für das Knie von Lindsey Vonn, sondern auch für alle, die auf einen Bus warten.

{title && {title} } gst, {title && {title} } 07.02.2026, 07:52
Jetzt E-Paper lesen