Gesundheit

"Trottel!" – Wer flucht, tut der Gesundheit etwas Gutes

Eine gute Nachricht an alle Rumpelstilzchen: Wer flucht, ist intelligenter, ehrlicher und gesünder. Das beweist jetzt die Wissenschaft. 

Sabine Primes
Der Zweck des Fluchens ist es, den Emotionen Luft zu machen, und hat den Vorteil der emotionalen Effizienz – es ist sehr schnell und klar.
Der Zweck des Fluchens ist es, den Emotionen Luft zu machen, und hat den Vorteil der emotionalen Effizienz – es ist sehr schnell und klar.
Getty Images

Obszönitäten sind in allen Kulturen und Sprachen zu finden und begleiten uns wahrscheinlich schon, seit sich der erste Höhlenmensch die Zehe gestoßen hat. Und wahrscheinlich war es ein Mann, behaupten einige Experten, denn Fluchen wird in der Regel mit Soldaten, Seeleuten und anderen typisch männlichen Tätigkeiten in Verbindung gebracht. Doch Frauen neigen heute dazu, genauso viel oder sogar häufiger zu fluchen als Männer, wie es in einem Bericht aus dem Jahr 2022 in den Archives of Physiotherapy heißt. Die Forscher unterteilen Obszönitäten in drei Kategorien: Religion ("verdammt", "Hölle"), Körperausscheidungen ("Verpiss Dich"; "Geh schei*en") und Sex, einschließlich unzähliger Slangwörter für Genitalien.

Ein Tabu, das gebrochen werden muss

Obwohl sie tabu sind – oder vielleicht gerade weil sie tabu sind – sind diese Schimpfwörter in einer Reihe von Situationen hilfreich. "Die Vorteile des Fluchens sind vielfältig", erklärte Timothy Jay, ein renommierter Experte für Schimpfwörter und emeritierter Professor für Psychologie am Massachusetts College of Liberal Arts, gegenüber CNN. "Die Vorteile des Fluchens haben sich erst in den letzten zwei Jahrzehnten herauskristallisiert, und zwar als Ergebnis zahlreicher Forschungen über das Gehirn und die Emotionen, zusammen mit einer viel besseren Technologie zur Untersuchung der Gehirnanatomie".

Fluchen erhöht Schmerztoleranz

Nehmen wir zum Beispiel die Schmerzbehandlung: In einem berühmten Experiment, das in der Zeitschrift NeuroReport veröffentlicht wurde, steckten Freiwillige ihre Hände in Eiswasser und hielten sie dort so lange wie möglich. Die Hälfte der Probanden durfte während des Experiments ein Schimpfwort wiederholen, die anderen durften nur ein neutrales Wort wiederholen. Die Probanden der Fluchgruppe konnten ihre Hände länger im Eiswasser halten als die Nichtflucher. "Die Hauptaussage ist, dass Fluchen hilft, mit Schmerzen umzugehen", sagte der Hauptautor und Psychologe Richard Stephens gegenüber CNN. ABER: Untersuchungen haben ebenfalls herausgefunden , dass Schimpfwörter ihre Kraft gegen Schmerzen verlieren, wenn sie zu oft verwendet werden. Zwei Jahre später führte Dr. Stephens das gleiche Experiment mit Menschen durch, die entweder täglich oder seltener fluchten. Diejenigen, die täglich fluchten, erfuhren eine geringere Schmerzlinderung durch das Fluchen als diejenigen, die weniger unflätig waren.

Auch die körperliche Kraft kann durch die Verwendung von Obszönitäten gesteigert werden. In einem Experiment aus dem Jahr 2018 entdeckte Dr. Stephens, dass die Handgriffstärke und die Leistung beim Radfahren bei Teilnehmern, die eine Obszönität wiederholten, höher waren. 

Wer flucht, ist ehrlicher 

Die Wissenschaft stellt außerdem fest, dass Menschen, die fluchen, vertrauenswürdiger sind. Das mag überraschen, denn Schimpfwörter werden oft mit einem ungebildeten oder misstrauischen Charakter in Verbindung gebracht. Im Laufe von drei Experimenten – darunter eines, bei dem soziale Interaktionen auf Facebook analysiert wurden – fanden Forscher heraus, dass Menschen, die Schimpfwörter verwendeten, insgesamt ehrlicher und weniger betrügerisch waren. "Schimpfwörter wurden mit weniger Lügen und Täuschungen auf individueller Ebene und mit höherer Integrität auf gesellschaftlicher Ebene in Verbindung gebracht", schreiben die Studienautoren in der Zeitschrift Social Psychological and Personality Science.

Warum fluchen wir?

Möglicherweise hat sich das Fluchen entwickelt, um direkte körperliche Auseinandersetzungen zu vermeiden, bei denen die Gefahr von Verletzungen besteht. Mit anderen Worten: Ich kann jemandem den Stinkefinger zeigen oder auf der anderen Straßenseite "F - - k you" sagen", so Dr. Jay. "Ich muss ihm nicht direkt ins Gesicht springen. Der Zweck des Fluchens ist es, meinen Emotionen Luft zu machen, und das hat den Vorteil, dass ich damit umgehen kann. Und es zeigt den Umstehenden sehr schnell, wie es um meinen emotionalen Zustand bestellt ist. Es hat den Vorteil der emotionalen Effizienz – es ist sehr schnell und klar."

Fluchen und Intelligenz

Was die Intelligenz betrifft, so hat die Forschung einen Zusammenhang zwischen dieser Eigenschaft und dem Gebrauch von Obszönitäten festgestellt. Freiwillige wurden gebeten, innerhalb von 60 Sekunden eine Liste mit so vielen Wörtern zu erstellen, die mit A, F oder S beginnen. Anschließend sollten sie so viele Schimpfwörter mit A, F und S nennen, wie ihnen in 60 Sekunden einfielen, und dann alle Tiernamen, die mit diesen Buchstaben beginnen. Diejenigen, die die längste Liste von A-, F- und S-Wörtern hatten, hatten auch die längste Liste von Schimpfwörtern. Das ist ein Zeichen für Intellekt, "in dem Maße, in dem Sprache mit Intelligenz korreliert", so Dr. Jay. "Menschen, die gut in der Sprache sind, sind auch gut darin, ein Schimpfwortvokabular zu erstellen. Je mehr Schimpfwörter Sie erzeugen können, desto mehr normale Wörter erzeugen Sie auch. Es ist also wahrscheinlich, dass man auf beiden Seiten einen größeren Wortschatz hat."

Auch Fluchen kann mit sozialer Intelligenz in Verbindung gebracht werden. "Die Strategien zu haben, um zu wissen, wo und wann es angebracht ist zu fluchen und wann nicht, ist eine sozial-kognitive Fähigkeit wie die Auswahl der richtigen Kleidung für den richtigen Anlass. Das ist ein ziemlich ausgefeiltes soziales Tool."