Gehässige Kommentare, abwertende Blicke – all das musste Mama Sabrina Krejan über sich ergehen lassen, als sie ihren Sohn in der Öffentlichkeit stillte. Wie viele andere Mütter bekam auch sie immer wieder verletzende Sätze wie: "Das ist unappetitlich" zu hören. Trotzdem ließ sie sich nicht einschüchtern. Sie stillte weiterhin in Cafés, Restaurants oder Parks – und machte diese Orte auch für andere Mamas zu echten "Safe Spaces".
Zwei Jahre lang stillte Sabrina Krejan ihren Sohn. Dabei fiel ihr eines besonders auf: "Je älter er wurde, desto mehr wurde hingeschaut." Dass viele Mütter das Gefühl haben, sich zum Stillen nach Hause zurückziehen zu müssen, kann die Wienerin gut nachvollziehen. "Das fühlt sich einfach nicht angenehm an."
Für Krejan ist jedoch klar: "Wenn ein Baby Hunger, Durst oder das Bedürfnis nach Nähe hat, muss dieses Bedürfnis sofort gestillt werden." Weder können noch sollten sich Mütter aus dem öffentlichen Raum zurückziehen müssen, nur um ihr Kind zu versorgen. Genau deshalb rief sie 2023 gemeinsam mit mam baby das Österreichische Stillsiegel ins Leben.
Der Auslöser war eine Umfrage unter stillenden Müttern, durchgeführt wurde sie vom "mam baby". "Zwei von drei Müttern machen negative Erfahrungen beim Stillen in der Öffentlichkeit. Jede dritte Mutter fühlt sich dabei unwohl", erinnert sich Krejan. Besonders häufig passieren solche Anfeindungen in Cafés, Restaurants, Parks, Einkaufszentren oder auf öffentlichen Plätzen.
Mit dem Österreichischen Stillsiegel werden Betriebe ausgezeichnet, die stillfreundlich sind. "Mütter wissen dann sofort: Hier sind wir willkommen. Hier können wir unser Baby stillen, wo wir möchten. Hier gibt es keinen Raum für Anfeindungen", erklärt die Initiatorin.
Ich glaube, wenn ich damals in so einem Café gestillt hätte und gemerkt hätte, dass Leute unangenehm schauen oder tuscheln, wäre vielleicht ein Kellner zu mir gekommen und hätte gefragt: 'Brauchen Sie Unterstützung?'", sagt Krejan.
Genau dieses Gefühl von Sicherheit soll das Stillsiegel vermitteln. Geschultes Personal, Verständnis und ein geschützter Rahmen sollen in den 250 Mitgliedsbetrieben dafür sorgen, dass Mütter ihre Babys überall stillen können – ganz ohne Angst vor abfälligen Blicken oder verletzenden Kommentaren. Das erste Café mit Stillsiegel war der Wiener Familienbetrieb "Café Landtmann" in der Wiener City.