Der Krieg im Nahen Osten sorgt weltweit für Unruhe auf den Energiemärkten. Besonders die Straße von Hormus steht im Fokus: Über diese Meerenge werden rund 20 Prozent des global gehandelten Rohöls transportiert. Seit den ersten Angriffen der USA und Israels auf den Iran am Wochenende sind die Energiepreise spürbar gestiegen.
Viele Stromkunden in Österreich stellten sich deshalb eine zentrale Frage: Bleiben die angekündigten Preissenkungen bei Verbund und EVN bestehen? Die Antwort der beiden Energieunternehmen ist eindeutig: Ja.
Der Verbund hat seinen Stromtarif bereits mit 1. März auf rund 9,5 Cent pro Kilowattstunde gesenkt. Laut Sprecher Florian Seidl wird dieser Preis für das vereinbarte Vertragsjahr garantiert.
Auch bei der EVN bleibt es, wie der ORF berichtet, bei der angekündigten Reduktion. Der neue Tarif startet am 1. April. Derzeit würden die "letzten Vorbereitungen" laufen. Der Energiepreis soll generell etwa 10,50 Cent netto pro Kilowattstunde liegen. Tagsüber, wenn viel Sonnenstrom verfügbar ist, könne der Preis zeitweise sogar auf rund 6,9 Cent sinken. Im Schnitt koste der Strom somit etwa 10 Cent.
Ganz unbeeindruckt bleibt der Weltmarkt jedoch nicht. In den vergangenen Wochen sei der Strompreis auf den internationalen Märkten bereits um rund 15 Prozent gestiegen, sagt EVN-Sprecher Stefan Zach. Wie sich die Lage nach dem fixierten Tarifjahr entwickelt, sei derzeit völlig offen. Besonders der Gaspreis gilt als unsicher, weil er stark von internationalen Konflikten abhängt.
Kunden mit sogenannten Floater-Tarifen, bei denen der Strompreis monatlich schwankt, könnten die Turbulenzen schneller zu spüren bekommen. Wie stark die Auswirkungen sind, hängt laut EVN davon ab, wie lange der Konflikt im Nahen Osten andauert.
Beim Verbund sieht man die aktuelle Situation auch als Auftrag für die Zukunft. Ziel sei es, den Energiemix stärker auf erneuerbare, heimische Quellen wie Windkraft und Photovoltaik auszubauen. Damit wolle man unabhängiger von globalen Krisen werden.
Politisch sorgt die Entwicklung ebenfalls für Diskussionen. Die SPÖ Niederösterreich fordert ein Ende des sogenannten Merit-Order-Prinzips. Dabei richtet sich der Strompreis immer nach dem teuersten Kraftwerk im System, meist einem Gaskraftwerk.
SPÖ-Landesparteichef Sven Hergovich fordert die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene für eine Aussetzung dieses Systems einzusetzen. Es sei laut ihm ein "Irrsinn", dass der Preis von Strom aus heimischer Wasserkraft davon abhängt, ob in der Straße von Hormus Öltanker blockiert werden.