Die SPÖ wollte im Wahlkampf eine Leerstandsabgabe einführen, daraus wurde nun eine "Leerstandsmobilisierung". Während die rot-pinke Wiener Stadtregierung noch darüber diskutiert, wie leerstehende Wohnungen mobilisiert werden können, stehen in den eigenen Gemeindebauten tausende Wohnungen leer.
Eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz von Stefan Ohrhallinger, Bezirksrat von Links in Wien-Brigittenau, brachte nun konkrete Zahlen ans Licht, wie der "Falter" berichtet: Von den rund 220.000 Gemeindewohnungen, die Wiener Wohnen verwaltet, waren mit Stand 3. Juni 2026 insgesamt 7.221 Wohnungen nicht vermietet.
Das entspricht rund drei Prozent des gesamten Bestands. Besonders brisant: Die Zahl der leerstehenden Gemeindewohnungen ist höher als die Anzahl der Gemeindewohnungen, die in den vergangenen neun Jahren neu errichtet wurden.
Laut Wiener Wohnen befinden sich allerdings 4.290 der leerstehenden Wohnungen – knapp 60 Prozent – derzeit in Renovierung oder Instandsetzung. Diese könnten daher aktuell nicht vergeben werden. Bleiben rund 2.930 Wohnungen, die aus anderen Gründen leer stehen. Wiener Wohnen betont gegenüber dem "Falter", dass es im Gemeindebau keinen spekulativen Leerstand gebe.
Als Ursachen nennt das Unternehmen unter anderem laufende Verlassenschaftsverfahren, Aufkategorisierungen, mangelnde Nachfrage bei bestimmten Wohnungstypen (etwa Kleinstwohnungen) sowie geplante Sanierungen ganzer Wohnhausanlagen.
Teilweise verfolgt die Stadt auch eine andere Strategie: Schwer vermietbare Kleinstwohnungen werden zurückgehalten, um sie später mit Nachbarwohnungen zusammenzulegen und größere Familienwohnungen zu schaffen.
Allein im Bezirk Favoriten sind derzeit 1.181 Gemeindewohnungen nicht vermietet. Davon werden 146 Wohnungen für spätere Zusammenlegungen freigehalten. Bei weiteren 227 Wohnungen stehen Sanierungen der Wohnhausanlagen an. Die übrigen 808 Wohnungen befinden sich laut Wiener Wohnen in Sanierung oder werden gerade neu vergeben.
Für Links-Bezirksrat Stefan Ohrhallinger sind die Zahlen schwer nachvollziehbar: "Viele Menschen in Wien suchen dringend eine leistbare Wohnung", kritisiert er. Seine Partei fordert die rasche Vermietung der rund 3.000 leerstehenden Wohnungen sowie eine schnellere Sanierung der übrigen Objekte. Angesichts steigender Mieten könne sich Wien längere Leerstände nicht leisten, so Ohrhallinger.
Der Druck auf den Wiener Wohnungsmarkt wächst seit Jahren. Am privaten Markt sind die Mieten innerhalb eines Jahrzehnts teilweise um bis zu 45 Prozent gestiegen. Gleichzeitig wird deutlich weniger gebaut als benötigt. Wie "Heute" berichtete, sollen heuer statt der ursprünglich erwarteten 12.600 Wohnungen nur rund 9.400 Wohneinheiten in Wien fertiggestellt werden – also nur jede vierte.
Noch dazu werden 70 Prozent der Neubauten von gewerblichen Bauträgern errichtet und nur 30 Prozent von gemeinnützigen Bauvereinigungen. Auch bei gemeinnützigen Wohnungen gehen die Zahlen zurück. Während 2019 noch mehr als 4.100 Wohnungen bewilligt wurden, lag die Zahl zuletzt deutlich niedriger.
Laut Wohnbau-Stadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) sollen bis 2030 insgesamt 1.500 zusätzliche Gemeindewohnungen auf den Weg gebracht werden. Die Stadträtin verweist darauf, dass leistbarer Wohnraum nicht nur durch Gemeindebauten geschaffen werde. Auch die Förderung des gemeinnützigen Wohnbaus sei eine wichtige Säule der Wiener Wohnpolitik.