US-Präsident Donald Trump hat den Virologen und früheren Corona-Berater Anthony Fauci öffentlich an den Pranger gestellt. Trump schrieb am Mittwoch auf seinem Onlinedienst Truth Social, Fauci habe unter dem früheren Präsidenten Joe Biden eine "gewaltige Zerstörungskraft" entfacht. Im US-Senat warfen Republikaner dem pensionierten Wissenschaftler bei einer Anhörung vor, seine Corona-Empfehlungen seien eine "Schande" gewesen.
Der 85-jährige Fauci lehnte nach früheren Befragungen im Kongress weitere Aussagen ab. Er berief sich auf einen Verfassungszusatz, der ihm erlaubt, sich nicht selbst zu belasten. Fauci vermutete, dass der mit Trump verbündete Senator Rand Paul ihn vorgeladen hatte, um ihn wegen Meineids "hinter Gitter zu bringen". Paul hatte davor tausende Seiten aus Faucis Corona-Tagebüchern veröffentlicht, die er sich offenbar über einen Regierungsrechner besorgt hatte.
Das Weiße Haus verbreitete auf dem Onlinedienst X ein bearbeitetes Bild von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., auf dem dieser Fauci Handschellen hinhält. Die Trump-nahe republikanische Abgeordnete Anna Paulina Luna verglich Fauci auf X mit dem Nazi-Arzt und Kriegsverbrecher Josef Mengele, der im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Menschenversuche an Häftlingen vorgenommen hatte.
Vertreter der oppositionellen Demokraten warfen Trump rund drei Monate vor den Kongresswahlen eine Rufmord-Kampagne gegen Fauci vor. Der Präsident wolle damit unter anderem verschleiern, dass die Zahl der Masern-Infektionen in den USA ein 35-Jahres-Hoch erreicht habe, erklärte der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz.
Fauci gehört zu einer Reihe von Trump-Gegnern, die Biden am letzten Tag seiner Amtszeit vorsorglich begnadigt hatte, um sie vor Strafverfolgung zu schützen. Besonders seine Empfehlungen zum Tragen von Corona-Masken und für Impfungen machten ihn im rechten politischen Lager zur Zielscheibe.
Trump hatte Fauci zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Februar 2025 den Personenschutz entzogen. Der Rechtspopulist hatte die Gefahren durch das Coronavirus lange heruntergespielt. Später schlug er unter anderem vor, Infizierten Desinfektionsmittel zu spritzen.