Schon seit langem sind Trump und seiner MAGA-Bewegung ("Make America Great Again") die "woken" Antworten von ChatGPT & Co ein Dorn im Auge. Mit seinen "politisch korrekten" Antworten würden die mittlerweile weit verbreiteten Chat-Bots seine Nutzer "ideologisch manipulieren".
Daher unterzeichnete der US-Präsident am 23. Juli eine Durchführungsverordnung die den Gebrauch von LLMs ("Large Language Models", so der Überbegriff für KI-Programme, die auf riesige Informationsdatenbanken zurückgreifen) reglementieren soll. Der bezeichnende Titel dieses Dekrets: "Preventing woke AI in the Federal Government" (sinngemäß: "Beschränkung von politisch korrekter KI in der Bundesverwaltung").
In dieser Verordnung wird klar beschrieben, was genau Trump und seine Anhänger am meisten stört: Es sind die DEI-Richtlinien, die in alle bisherigen KI-Programme eingeflossen seien. Mit DEI ist in den USA "Diversity, Equity and Inclusion", also zu deutsch: Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion. Dies sei "eine der am weitesten verbreiteten und destruktivsten Ideologien", steht in der Verordnung.
Dadurch würden "Fakten über Rasse und Geschlecht verzerrt oder unterdrückt" und stattdessen "Konzepte wie kritische Rassentheorie, unbewusste Vorurteile, Transgenderismus, Intersektionalität, systematischer Rassismus und Diskriminierung aufgrund von Rasse und Geschlecht" berücksichtigt, heißt es in der Trump-Order vom 23. Juli weiter.
Das Resultat dieser "ideologischen Voreingenommenheit" sei, dass "die Wahrheit" zugunsten "bevorzugter Ergebnisse" verdrängt würde. Daher müssen Bundesbehörden nun eine Richtlinie erarbeiten, wie der Umgang mit solchen Programmen künftig verhindert werden kann – und stattdessen "wahrheitsgetreue" KI-Anwendungen gefördert werden können.
Der nun auf Trumps eigenen sozialen Netzwerk, Truth Social, gestartete KI-Bot "Truth Search AI" soll nun einen ersten Vorgeschmack bieten, wohin die Reise geht. Ein Test von Journalisten der "Washington Post" (die dem Trump-Unterstützer Jeff Bezos gehört) ergab jedoch, dass die von "Perplexity" entwickelte KI genau mit jenen Methoden vorgeht, die an Programmen wie ChatGPT kritisiert werden.
"Truth Search AI" gibt als Quellen ausschließlich konservative oder rechte Medien wie Fox News, Fox Business, Washington Times und The Federalist an. Man könnte also sagen, es würden bestimmte Ergebnisse aufgrund "ideologischer Voreingenommenheit" "bevorzugt".
Das Absurde daran ist, dass "Truth Search" dem Präsidenten trotzdem in einigen seiner wichtigsten Behauptungen widerspricht. So erhielt die Washington Post auf Fragen zu Trumps Behauptungen, die Wahlen 2020 seien gefälscht worden und die US-Zölle würden von China bezahlt, tatsächlich "wahrheitsgetreue" Antworten: Die Aussagen über "weit verbreiteten Wahlbetrug" seien eine "haltlose Behauptung", so "Truth Search" und Trumps Zölle würden letztlich "wie eine Steuer" von den US-Bürgern bezahlt werden.
Auch die Behauptung, die Kriminalität in Washington D.C. sei "außer Kontrolle" geraten, widerlegte Trumps KI mit Zahlen des Justizministeriums und des FBI, die von einem Rückgang in den letzten Jahren sprechen. Hintergrund könnte sein, dass "Truth Search" zwar nur ausgewählte Quellen angibt, im Hintergrund aber auch andere Quellen berücksichtigt.
Am meisten ärgern dürfte Trump aber die Antwort auf die Frage nach dem beliebtesten noch lebenden US-Präsidenten, auf die Truth Search mit Verweis auf entsprechende Umfragen klipp und klar mit "Barack Obama" antwortete.
Trump selbst äußerte sich bisher nicht zur neuen "Truth Search"-Funktion auf "Truth Social" und auf Anfrage der Washington Post wollte sich niemand dazu äußern. Dafür gibt es eine Aussendung vom Truth-Social-Mutterkonzern Trump Media, der die Meldung der Washington Post eine "schwachsinnige Geschichte" von "irrelevanten parteiischen Schreiberlingen" sei.