In den USA gibt es wieder einmal einen Angriff auf Forschung und Wissenschaft: Die Regierung von Präsident Donald Trump hat die Veröffentlichung eines wichtigen Klimaberichts über die Arktis gestoppt. Die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) teilte mit, dass der seit 2006 jedes Jahr erscheinende Bericht heuer nicht veröffentlicht wird. Forscherinnen und Forscher suchen nun nach Möglichkeiten, die Ergebnisse trotzdem zu veröffentlichen.
Der letzte Bericht zur Arktis wurde im Dezember herausgegeben, als Trump schon im Amt war. Einen Grund, warum der Bericht 2026 gestrichen wird, nannte die NOAA nicht. Bereits veröffentlichte Berichte bleiben aber weiterhin öffentlich zugänglich, wie die Behörde betonte.
"Die Arktis ist die Region der Erde, die sich am schnellsten erwärmt", erklärte Twila Moon, eine der drei Autorinnen des Berichts, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Wissenschafterin von der Universität Colorado in Boulder erfuhr am Montag, dass der Bericht eingestellt wird. Sie sei "extrem enttäuscht", sagte Moon. "Es ist ein Fehler, die Führungsrolle und die Kompetenzen der amerikanischen Klimawissenschaft nicht aufrechtzuerhalten."
"Sie zwingen uns Unwissenheit auf", kritisierte der ehemalige NOAA-Chef Rick Spinrad. "Die Arktis ist ein Indikator für den Klimawandel", betonte er. Im letzten Bericht zur Arktis stand, dass die Region rund um den Nordpol das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt hat.
Twila Moon versucht jetzt gemeinsam mit ihren Mitautoren, "um 2026 einen Bericht über die Arktis zu veröffentlichen" – auch ohne Unterstützung der US-Regierung.
Trotz Rekordhitze weltweit und heftigen Waldbränden geht die US-Regierung weiter gegen die Wissenschaft vor. Besonders Umweltwissenschafter sind Trump ein Dorn im Auge. Er hat den Klimaschutz schon öfter als "den größten Betrug" bezeichnet und nach seiner erneuten Angelobung im Jänner 2025 einen erneuten Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen angeordnet.
Erst letzte Woche hat die Nationale Akademie der Wissenschaften (NAS), die zwar vom US-Kongress gegründet wurde, aber unabhängig ist, ein Kapitel zum Klimawandel aus einem Nachschlagewerk für die Justiz von ihrer Website entfernt. Der Text über die Erderwärmung hatte Trumps Zorn auf sich gezogen.
Trump schrieb auf seinem Onlinedienst Truth Social, die Angaben seien "voreingenommen und irreführend". Er warf der NAS vor, von "extrem linken Demokraten" gesteuert zu werden. Die Akademie erklärte, das Kapitel sei entfernt worden, weil der Inhalt überprüft werden müsse.
"Richter benötigen verlässliche wissenschaftliche Informationen zum Klimawandel, um Fälle in der Sache prüfen zu können", kritisierte Carly Phillips von der Organisation Union of Concerned Scientists.
Die NAS hatte erst vor wenigen Wochen einen Bericht veröffentlicht, dem zufolge Studien, die extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkregen auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückführen, zuverlässig sind.
Schon Anfang des Jahres hat die Trump-Regierung ein Gesetz aufgehoben, das Treibhausgase als gesundheitsschädlich einstufte. Damit wurde eine Lockerung der Emissionsvorschriften für Fahrzeuge möglich.
"Sie versuchen wirklich, die Wissenschaft zu Grabe zu tragen", sagte Michael Mann, Klimaforscher an der Universität von Pennsylvania und Buchautor. Angesichts der vielen Beweise – wie Waldbrände und Hitze – sei das aber "ein aussichtsloses Unterfangen", so Mann. "Das heißt aber nicht, dass sie es nicht weiterhin versuchen werden."