US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin sind am Freitag im US-Bundesstaat Alaska zu einem Gipfel zusammengekommen. Trump hat sich seit seinem politischen Aufstieg vor rund zehn Jahren immer wieder lobend über Putin geäußert. Zuletzt ist das Verhältnis aber abgekühlt, weil Putin den von Trump versprochenen Frieden in der Ukraine verhindert hat.
Beim Treffen in Alaska war von Trumps Ärger über den Kremlchef aber nichts mehr zu merken. Die Ergebnisse des Gipfels waren zwar unklar, dafür hat Trump Putin umso pompöser empfangen.
Im Wahlkampf für das Präsidentenamt hat Trump versprochen, er werde den Ukraine-Krieg sofort beenden: Er werde das "in 24 Stunden schaffen", hat er im Mai 2023 gesagt. Seine Anhänger feiern ihn dafür, dass er das Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine angekündigt hat.
Kurz nach seinem erneuten Amtsantritt im Jänner 2025 hat Trump scharf gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ausgeteilt.
"Selenskyj sollte sich besser beeilen, oder er wird kein Land mehr haben", schreibt Trump am 19. Februar auf seinem Onlinedienst Truth Social. Er behauptet, die Ukraine sei selbst schuld am russischen Angriff und richtet in Richtung Kiew aus: "Die Nato – das können sie vergessen."
Beim Besuch von Selenskyj im Weißen Haus am 28. Februar 2025 kommt es zum Eklat. Trump und Vizepräsident JD Vance werfen dem ukrainischen Präsidenten vor, "überhaupt nicht dankbar" für die US-Militärhilfe zu sein und Russland zu provozieren. "Sie spielen mit dem Dritten Weltkrieg", herrscht Trump Selenskyj an. Die westlichen Verbündeten reagieren entsetzt.
Zwischendurch hat es so ausgeschaut, als ob sich Trump mit Putin auf Kosten der Ukraine einigen könnte. Dazu ist es aber nicht gekommen.
Nach einem Treffen mit Selenskyj am Rande der Beerdigung von Papst Franziskus am 26. April in Rom hat sich bei Trump die Stimmung geändert. Er zweifelt daran, dass Putin "den Krieg vielleicht gar nicht beenden, sondern mich nur hinhalten will".
Trump zeigt, dass ihm wegen der fortgesetzten russischen Angriffe auf die Ukraine langsam die Geduld mit Putin ausgeht. Der Kreml-Chef sei "völlig verrückt geworden", schreibt Trump am 25. Mai nach intensiven diplomatischen Bemühungen um Frieden.
Trump wirkt immer frustrierter wegen der Lage. Nach einem erneuten Telefonat mit Putin erklärt der Präsident am 4. Juni, das Gespräch werde nicht "zu einem sofortigen Frieden führen". Der Kreml betont, Russland werde seine Ziele in der Ukraine "nicht aufgeben".
Ein paar Wochen später beschwert sich Trump vor Journalisten: "Wir bekommen von Putin eine Menge Mist (bullshit) erzählt." Der russische Präsident sei "immer sehr nett, aber es stellt sich heraus, dass es bedeutungslos ist", sagt er am 8. Juli.
Am 15. Juli zeigt sich Trump bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus "sehr, sehr unzufrieden" mit Russland. Er stellt der Ukraine weitere Patriot-Luftabwehrsysteme in Aussicht – zahlen sollen aber Deutschland und andere Nato-Länder.
Gleichzeitig setzt Trump Putin ein Ultimatum von 50 Tagen, um den Ukraine-Krieg zu beenden, Ende Juli verkürzt er es auf zehn Tage. Nach Ablauf des Ultimatums verkündet der Präsident aber nur höhere Zölle gegen Indien, weil das weiter Öl aus Russland bezieht.
Trump kündigt für den 15. August einen Gipfel mit Putin in Alaska an, Selenskyj ist nicht eingeladen. "Wir werden sehen, was er vorhat", sagt Trump über einen möglichen "Deal" mit Putin – schließt aber auch einen Abbruch des Gipfels nicht aus. Gleichzeitig kritisiert er Selenskyj, weil der einen "Gebietstausch" zwischen der Ukraine und Russland ablehnt.
Zwei Tage vor dem Gipfel bespricht sich Trump per Videokonferenz mit Selenskyj, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und anderen europäischen Spitzenpolitikern. Danach droht er Putin erneut mit "schwerwiegenden Konsequenzen", falls die Angriffe auf die Ukraine nicht aufhören. Von Sanktionen spricht Trump aber nicht.
Vom Ärger über Putin ist beim Gipfel in Alaska, zumindest öffentlich, nichts mehr zu spüren. Mit rotem Teppich, langem Händedruck und sogar Applaus empfängt Trump den Kreml-Chef am Freitag auf US-Boden.
Auch inhaltlich scheint sich Trump wieder mehr der russischen Sichtweise anzunähern: Nach dem Gipfel lehnt er ein schnelles Waffenruheabkommen ab und spricht sich stattdessen für ein umfassendes "Friedensabkommen" aus. Genaue Details zu ihren Absprachen verraten er und Putin in Alaska aber nicht. Jetzt ist Selenskyj am Zug, der am Montag nach Washington zum US-Präsidenten reisen will.