Die tschechische Wirtschaft präsentiert sich aktuell in bemerkenswert guter Verfassung – trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Während die deutsche Wirtschaft schwächelt, kann das Nachbarland mit starken Investitionen und guter Stimmung punkten. Vor allem private Konsumausgaben und die traditionsreiche Ingenieurskunst treiben das Wachstum an.
Die Abhängigkeit vom Handel mit Deutschland, wohin rund ein Drittel der tschechischen Exporte gehen, konnte der positiven Entwicklung bislang nichts anhaben. Auch Engpässe bei Energielieferungen infolge des Iran-Krieges und gesenkte Wachstumsprognosen durch internationale Institute bremsen den wirtschaftlichen Aufschwung nicht grundlegend. Die Reallöhne sind 2025 um 5,1 Prozent gestiegen, die Arbeitslosigkeit bleibt gering.
Das Wachstum bleibt in erster Linie durch den anhaltenden Boom der Industrie und die starke Nachfrage nach tschechischen Autos und Rüstungsgütern stabil. Vor allem die Škoda Auto Group konnte mit einem erneuten Rekordjahr überzeugen und plant, ihr Angebot an Elektrofahrzeugen weiter auszubauen.
Neben der Automobilbranche rückt die Rüstungsindustrie zunehmend in den Fokus. Experten halten es für möglich, dass sie mittelfristig sogar die Autoindustrie überholen könnte. Bis zu 90 Prozent der tschechischen Waffenproduktion werden exportiert, ein erheblicher Anteil davon geht in die Ukraine. Auch internationale Großaufträge, etwa für die deutsche Bundeswehr, stärken die Branche.
Allerdings wird der wirtschaftliche Erfolg von politischen Kontroversen überschattet. Premier Andrej Babiš steht weiterhin wegen Korruptionsvorwürfen und eines möglichen Interessenkonflikts zwischen seiner politischen Rolle und den Geschäften seines früheren Mischkonzerns Agrofert im Fokus. Eine neue Regelung könnte dem Unternehmen künftig staatliche Subventionen sichern, was innenpolitisch wie auf europäischer Ebene für Kritik sorgt.
Obwohl Babiš offiziell keine direkten Unternehmensbeteiligungen mehr hält, ist unklar, wie die EU auf die bewilligten Subventionen reagieren wird. Sollte es zu einer Ablehnung kommen, müssten die tschechischen Steuerzahler die Kosten tragen. Die Debatte um mögliche ungerechtfertigte Förderungen und deren Rückzahlung bleibt weiter aktuell.