Sport

TV-Reporter verwechselt Fan mit dem neuen Trainer

Premier-League-Klub Huddersfield hat einen neuen, unbekannten Coach engagiert – das sorgt für Verwirrung.
Heute Redaktion
13.09.2021, 18:21

Der Premier-League-Klub Huddersfield Town hatte nach 22 Spielen nur zwei Siege auf dem Konto. Für Coach David Wagner war die Zeit gekommen, sich von seinem Herzensklub zu trennen. Am 14. Januar gab der Deutsch-Amerikaner seinen Rücktritt bekannt.

Er verließ den Verein, den er im Mai 2017 sensationell in die Premier League geführt hatte, den Klub, mit dem er im vergangenen Sommer mit einem kleinen Budget in der wohl besten Liga der Welt den Klassenerhalt schaffte, den Ort, an dem er vergöttert wurde.

So mussten sie in Huddersfield einen neuen Coach finden, einen, der mit dem Tabellenletzten der Premier League vielleicht noch mal das Wunder vom Klassenerhalt vollbringt. Die Wahl fiel, wie damals bei David Wagner, auf den Trainer der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund – also einen deutschen Viertligisten. Der Mann heißt Jan Siewert, ist 36 Jahre alt und nur Experten ein Begriff. Ein Unbekannter.

Nicht jeder TV-Mann ist ein Experte

Wie unbekannt Siewert ist, zeigte sich während der 0:3-Heimniederlage gegen Meister Manchester City. Da saß noch Nachwuchscoach Mark Hudson auf der Bank der Terriers, und Gerüchte von Siewerts Verpflichtung machten im Norden Englands die Runde. Ein Sky-Sports-Reporter dachte, Jan Siewert auf der Tribüne sitzend erblickt zu haben. Der Journalist drängte sich an mehreren Zuschauern vorbei und stand vor dem vermeintlichen neuen Trainer.

Der Sky-Mann fragte ihn: "Bist du Jan, der neue Coach?" Der Mann antwortete überrascht: "Nein, das bin ich nicht. Ich bin Martin aus Wakefield." Das Publikum lachte und auch der Reporter nahms mit Humor. Mittlerweile wurde der wahre Jan Siewert der englischen Presse vorgestellt. Dennoch hatte auch Martin aus Wakefield noch mal einen großen Auftritt – doch dazu später mehr.

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Ist Siewert der Wagner 2.0?

Während der Pressekonferenz mit Jan Siewert antwortete Huddersfield-CEO Julian Winter auf die Frage, ob der Neue einfach nur Wagner 2.0 sei, dass die Lebensläufe der beiden gewisse Ähnlichkeiten haben, jedoch sei Siewert ein vollkommen eigenständiger Trainer. Winter sagte auch, Wagner sei immer bewusst gewesen, dass man sich bei einer so prekären Situation in der Meisterschaft nach anderen Trainern umgesehen habe.

"Wir hatten mehrere Trainer auf dem Radar und haben diverse Szenarien durchgespielt", sagte Winter. "Doch nach dem Abgang von David (Wagner) haben wir nur mit Jan (Siewert) gesprochen, er war schon von Anfang an unser Wunschkandidat."

Vor seiner Zeit in Dortmund war Siewert beim VfL Bochum Co-Trainer und Coach der U-19 des damaligen Zweitligisten aus dem Ruhrgebiet. Davor ein dreiviertel Jahr Trainer beim unterklassigen Rot-Weiß Essen und knapp zwei Jahre Co-Trainer bei deutschen Nachwuchsnationalmannschaften. Das alles ist nicht das typische Curriculum Vitae eines Premier-League-Coachs. Dennoch wurde er in Huddersfield herzlich empfangen.

Ist es doch Martin aus Wakefield?

Wie es jeder Fußballklub, der etwas auf sich hält, heutzutage macht, präsentierte auch Huddersfield ein Video, in dem sie den Zugang vorstellen. Das Video gleicht einem Comedysketch.

Der oben genannte Martin von Wakefield macht es sich im Trainerbüro am Trainerpult im Trainerstuhl mit einer Trainingsjacke, auf der die Initialen MFW stehen, bequem. Er nimmt das Telefon ab und meldet sich mit "Martin from Wakefield". Nach einem kurzen Telefonat kommt Jan Siewert in das Trainerbüro und sagt: "Nicht jetzt, Martin von Wakefield!" Danach setzt er sich in seinen Stuhl und stellt sich vor.

Humor haben sie bewiesen in Huddersfield, doch nun ist Kampfgeist gefragt bei den Terriers. Mit 11 Punkten auf dem Konto und 10 Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz ist in den kommenden Wochen bei Huddersfield vor allem eines angesagt: Abstiegskampf.

(Heute Sport)