Am vergangenen Sonntag (20.9.) versammelten sich Albaner, die in Österreich leben, am Wiener Heldenplatz. Anlass war das erstinstanzliche Urteil der Kosovo Specialist Chambers in Den Haag gegen vier ehemalige Spitzenvertreter der Kosovo-Befreiungsarmee UÇK.
Die UÇK – "Ushtria Çlirimtare e Kosovës", international Kosovo Liberation Army (KLA) – war eine bewaffnete kosovo-albanische Organisation, die in den 1990er-Jahren gegen serbische beziehungsweise jugoslawische Kräfte kämpfte. Nach dem Kosovo-Krieg wurde die UÇK demilitarisiert.
Ihre Rolle wird bis heute unterschiedlich bewertet. Für viele Kosovo-Albaner steht sie für den Kampf um die Unabhängigkeit des Kosovo. Zugleich wurden ehemalige Mitglieder und Führungspersonen wegen während des Konflikts begangener Verbrechen vor Gericht gestellt.
Unmittelbarer Anlass der Wiener Demonstration war das Urteil vom 16. September gegen Hashim Thaçi, Kadri Veseli, Jakup Krasniqi und Rexhep Selimi. Die vier ehemaligen UÇK-Führungspersonen wurden wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Thaçi und Krasniqi erhielten jeweils 25 Jahre Haft, Veseli 18 Jahre und Selimi 13 Jahre. Von den angeklagten Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden sie freigesprochen.
Die Demonstranten protestierten gegen diese Verurteilungen. Wie "Kosovo Online" berichtet, trugen Teilnehmer neben albanischen und kosovarischen Fahnen auch UÇK-Flaggen. Zudem waren Fahnen beziehungsweise Darstellungen mit Bildern von Thaçi, Veseli, Krasniqi und Selimi sowie des UÇK-Mitbegründers Adem Jashari zu sehen. Auch ein Verwandter von Hashim Thaçi, Idriz Thaçi, nahm laut dem Bericht an der Demonstration teil.
Vertreter kosovo-albanischer Vereine in Wien und Veteranen sprachen demnach bei der Kundgebung. Sie erklärten, dass sie das Urteil der Specialist Chambers nicht akzeptierten. Unter anderem wurde die Position vertreten, die UÇK sei keine kriminelle Organisation und ihr Krieg dürfe nicht als solcher charakterisiert werden.
Für zusätzliche Brisanz sorgen weitere Symbole und Botschaften bei der Wiener Kundgebung. "Kosovo Online" berichtet, dass auch Fahnen mit einer Darstellung eines sogenannten "Großalbanien" zu sehen gewesen seien. Zudem seien Lieder gespielt beziehungsweise gesungen worden, in denen von einem "Großalbanien von Tirana bis Bujanovac" die Rede gewesen sei.
Die Wiener FPÖ reagierte auf die Kundgebung. Klubobmann Maximilian Krauss und Landtagsabgeordneter Ilija Tufegdzic kritisieren UÇK-Symbole und die von ihnen als nationalistische "Großalbanien"-Botschaften eingeordneten Darstellungen.
"Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut und selbstverständlich darf auch ein Gerichtsurteil öffentlich kritisiert werden", erklären die beiden FPÖ-Politiker. Was man jedoch ablehne, seien die "Verherrlichung von UÇK-Symbolen, nationalistische 'Großalbanien'-Gebietsphantasien und entsprechende Parolen mitten in Wien".
Krauss und Tufegdzic fordern eine klare Distanzierung von Gewaltverherrlichung. "Die Opfer von Kriegsverbrechen dürfen dabei weder verhöhnt noch vergessen werden. Wien darf nicht zum Schauplatz importierter ethnischer Konflikte werden. Das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt muss über nationalistischen Provokationen stehen“, so Krauss und Tufegdzic in einer Aussendung.