Wo einst die kleine Stadt Betrawati stand, liegt heute nur noch Schlamm und Geröll. Jeden Tag machen sich Dutzende Überlebende aus ihren provisorischen Zeltstädten auf einem Hügel oberhalb des Ortes auf, um in der Ödnis nach Spuren ihrer Häuser, Geschäfte und Angehörigen zu suchen.
Die 23-jährige Anusa Thapa Magar arbeitete gerade auf den Malediven, als sie von der Katastrophe erfuhr. In der Hoffnung, ihre geliebte Großmutter habe überlebt, kehrte sie zurück. Doch vom zweistöckigen Familienhaus war nichts mehr übrig.
Wie "n-tv" berichtet, riss die Flutwelle mit solcher Wucht durchs Tal, dass kaum ein Stein auf dem anderen blieb. Entlang der Wege sind Schuhe und Kleidungsstücke stumme Zeugen der Panik, als die Menschen vor den Wassermassen zu fliehen versuchten. Auch verschlammte Kinderschuhe und Schuluniformen zeugen von dem Drama.
Die Sturzflut wurde durch einen Gletscherabbruch im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet ausgelöst. Auf nepalesischer Seite gelten noch immer über 6000 Menschen als vermisst. Die Behörden suchen weiterhin nach Überlebenden, doch es wurde schon lange niemand mehr lebend gefunden.
Viele Familien in der Region hatten bereits das verheerende Erdbeben von 2015 überlebt, bei dem fast 9000 Menschen starben. Damals gelang der Wiederaufbau. Diesmal ist die Verzweiflung groß – kaum jemand hat eine Idee, wie es weitergehen soll.
"Ich habe mein Leben lang für dieses Haus gearbeitet. Jetzt ist alles weg", klagt eine der Überlebenden. Viele machen sich Sorgen, wie sie ihre Kredite zurückzahlen sollen. Manche sagen, sie hätten keinen Grund, jemals wieder zurückzukehren.