Mittlerweile fordert die Mehrheit der Deutschen den Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz. Laut einer aktuellen Umfrage sind nur elf Prozent der Deutschen mit seiner Arbeit zufrieden. Wie "20 Minuten" berichtet, steht Merz nach der historischen Wahlschlappe schwer angeschlagen da.
Die Journalistin und Merz-Biografin Mariam Lau spricht im Interview mit SRF von einer existenziellen Krise für die CDU. Sie schildert, der Parteichef wirke auf viele Menschen arrogant und herablassend. "Er wirkt manchmal wie ein CEO, der nach zwei Wochen Urlaub ins Büro kommt, die Pizzakartons sieht und sagt: 'So, Freunde, jetzt ist Schluss mit dem Dolce Vita.'", so Lau im Gespräch mit SRF.
Trotz seines kühlen Auftretens ist Merz keineswegs gefühllos, betont Lau. So habe er sich etwa bei der Lesben- und Schwulen-Community für frühere Kränkungen entschuldigt. Außerdem, sagt Lau, habe sie noch nie einen Kanzler so oft weinen sehen wie Merz: "Besonders wenn es um Kinder geht, kann er von Gefühlen übermannt werden. Als er in einem jüdischen Gymnasium in Berlin war und Schüler ihm erzählten, dass sie aus Angst überlegen, ihren Davidstern abzunehmen, sind ihm die Tränen gekommen. Er schämt sich dafür auch nicht."
Die Journalistin sieht eine Ursache für das CDU-Debakel auch darin, dass Merz nie ein exekutives Amt innehatte. "Er war nie Landeshauptmann oder Bürgermeister. Für die Prozesse der Führung, für das Organisieren von Konsens, war er komplett unvorbereitet", so Mariam Lau gegenüber SRF.
Vor wenigen Tagen gestand Friedrich Merz in einer Rede vor den Unionsabgeordneten eigene Fehler ein. Trotzdem stellte sich Fraktionschef Thorsten Frei hinter ihn: "Er hat unsere Unterstützung", sagte Frei.
Dass Merz dennoch Rückendeckung bekommt, überrascht Mariam Lau wenig. "Merz hat seine Mannschaft vor allem nach Loyalität zusammengestellt, nicht nach Kompetenz. Daran krankt das ganze Unternehmen", sagt sie im SRF-Interview.