Ein Video aus dem Ukrainekrieg sorgt derzeit international für Aufmerksamkeit. Zu sehen ist, wie drei russische Soldaten ein Gebäude verlassen, die Hände heben und sich ergeben. Einer von ihnen ist verletzt.
Das Besondere an der Szene: Ihnen gegenüber steht kein Mensch, sondern ein bewaffneter ukrainischer Kampfroboter. Laut ukrainischen Angaben wurde die Aufnahme an der Front nahe Pokrowsk gemacht.
Der Vorfall gilt als dokumentierter Beleg dafür, dass erstmals feindliche Soldaten vor einem unbemannten Bodensystem kapituliert haben. Der eingesetzte Roboter stammt vom ukrainischen Hersteller DevDroid, berichtet der "Standard", und war mit einem Maschinengewehr ausgestattet. Gesteuert wurde das System aus der Distanz.
Unbemannte Bodenfahrzeuge, international als "Uncrewed Ground Vehicles" bezeichnet, werden von der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges eingesetzt. Anfangs handelte es sich vor allem um importierte Technik aus dem Westen. Inzwischen werden diese Systeme fast vollständig im Land selbst produziert.
Nach Angaben internationaler Analysten stammen rund 99 Prozent der eingesetzten Bodendrohnen mittlerweile aus ukrainischer Fertigung. Der Ausbau der Produktion ist deutlich: Während 2024 nur einige hundert Einheiten hergestellt wurden, lag die Zahl 2025 bereits bei rund 15.000. Für 2026 werden mehr als 20.000 Fahrzeuge erwartet.
Derzeit sind mindestens 200 unterschiedliche Modelle von rund 40 Herstellern im Einsatz. Die Vielfalt ist laut Experten kein Nachteil. Viele Systeme entstehen in direkter Zusammenarbeit mit Fronteinheiten und werden gezielt an deren Bedürfnisse angepasst. Rückmeldungen aus dem Einsatz fließen oft innerhalb weniger Wochen in neue Versionen ein.
Ein Großteil der Roboter basiert auf günstigen, handelsüblichen Bauteilen. Zum Einsatz kommen unter anderem 3D-gedruckte Komponenten. Ursprünglich als Transportfahrzeuge für Munition oder Verwundete entwickelt, werden einige Modelle nachträglich bewaffnet – meist mit Maschinengewehren oder Granatwerfern.
Der Roboter, der die russischen Soldaten zur Aufgabe zwang, kostet laut Hersteller rund 25.000 Euro. Bewaffnete Bodendrohnen sollen vor allem dort eingesetzt werden, wo der Einsatz von Soldaten zu gefährlich wäre. Ziel ist es, eigene Verluste zu reduzieren. Technisch sind die Systeme noch begrenzt und auf menschliche Steuerung angewiesen. Das könnte sich allerdings bald ändern.