Während in Russland die dreitägige Parlamentswahl zu Ende geht, meldet Moskau massive Drohnenangriffe. Seit Mitternacht seien mehr als 180 anfliegende Drohnen abgefangen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur TASS und Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin.
Nach Angaben des Gouverneurs der Hauptstadtregion, Andrej Worobjow, wurden mindestens zwei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. Demnach sollen Drohnen in zwei Wohnhäuser eingeschlagen sein. Auch eine Anlage auf dem Gelände einer Ölraffinerie wurde laut Bericht beschädigt. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Der Angriff fällt auf den letzten Tag der Wahl zur russischen Staatsduma. Erste Ergebnisse wurden für 20 Uhr MESZ erwartet. Mehr als 110 Millionen Russinnen und Russen waren aufgerufen, 450 Abgeordnete für die neue Duma zu wählen.
Kremlchef Wladimir Putin hatte die Bevölkerung zuvor aufgefordert, mit ihrer Stimmabgabe einen Beitrag zum Sieg Russlands im Krieg gegen die Ukraine zu leisten. Kritiker bezeichneten den Urnengang bereits vorab als unfair und sehen darin vor allem eine politische Bestätigung für die Fortsetzung der Invasion.
Laut Wahlleitung lag die Beteiligung nach den ersten beiden Wahltagen bereits bei mehr als 40 Prozent. Die seit mehr als 20 Jahren regierende Kreml-Partei "Geeintes Russland" rechnet trotz Wirtschaftskrise, Kriegsmüdigkeit und Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit einer Zweidrittelmehrheit. Für die Partei treten auch zahlreiche Kriegsveteranen an.
Eine echte Opposition steht bei der Wahl nicht zur Auswahl. Die Anti-Kriegspartei Jabloko wurde ausgeschlossen. Die zehn Parteien auf dem Stimmzettel gelten als kremlnah und unterstützen den von Putin angeordneten Krieg.
Erstmals wird die Wahl auch in den von Russland kontrollierten Teilen der annektierten ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson abgehalten – gegen den Protest der Ukraine. Auch auf der bereits 2014 einverleibten Krim wird erneut abgestimmt.
Neben der Duma-Wahl finden in acht Regionen auch Wahlen zu Gebietsparlamenten statt. Insgesamt laufen laut russischer Wahlleitung rund 2.200 Wahlen auf verschiedenen staatlichen Ebenen.